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The Scorpion King

USA 2002. R: Chuck Russell. B: Stephen Sommers, William Osborne, David Hayter, Jonathan Hales. K: John R. Leonetti. S: Michael Tronick, Greg Parsons. M: John Debney. P: Universal. D: Dwayne »The Rock« Johnson, Steven Brand, Kelly Hu, Bernard Hill u.a.
94 Min. UIP ab 25.4.02

Souveränes Wrestling

Von Matthias Grimm Es gibt Tage, da versteht man die Welt nicht mehr. Solche Phasen macht jeder durch. Sich das zu sagen, hilft aber auch nicht weiter. Eine Maßnahme hat bei mir noch immer geholfen: Wrestling! Immer, wenn ich mit mir und der Welt am Ende bin, schalte ich nachts um drei den Fernseher an, gucke Wrestling und muß feststellen: Es gibt Leute, die müssen noch viel ärmer dran sein. Nämlich die, die sowas regelmäßig gucken. Ein solches Maß an Schwachsinn läßt mich zwar noch mehr an der Welt verzweifeln, aber wenigstens nicht mehr an mir selbst.

Wenn wir jedoch schon so weit sind, daß einer dieser Matschbirnen seinen eigenen Kinofilm dreht, kann das Ende der Welt nicht mehr weit sein. Möchte man meinen. Doch überraschenderweise macht der Zirkus der Albernheiten und offensichtlichen Dämlichkeiten plötzlich einen unverhofften Sinn.

Schon immer gehorchten die Kämpfe einem mehr oder weniger festgelegten Drehbuch, hatten also so etwas wie eine (mehr oder weniger) ausgeklügelte Dramaturgie, was sie von so langweiligen Sportarten wie Fußball unterscheidet, bei denen meistens nichts Interessantes geschieht, und wenn, dann doch nicht auf einem narrativen Niveau, wie es ein Autor zu ersinnen in der Lage wäre. (Nein, die besten Geschichten schreibt nicht das Leben.) Weit über die Dramaturgie hinaus erhalten die Auseinandersetzungen auf diese Weise auch eine Ideologie, was sie nicht unbedingt vom Fußball unterscheidet und zudem für Ideologie-Kritik angreifbar macht, aber dadurch, daß diese Ideologie gesteuert wird, es also eine Erzähler- und damit eine feste Ideologie-Instanz gibt, transportieren sie mehr als ein simples Wir-Gefühl: Sie transportieren Lifestyle.

Was Wrestling dagegen diesen, nicht zu übersehenden, Anschein des Dämlichen verleiht, setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen: Der vorgetäuschte Realismus (oder die Frage: »Ist das jetzt echt oder gespielt?«, die sich beim ersten Mal Zuschauen unweigerlich stellt); die begrenzten dramaturgischen Möglichkeiten; das Struktursystem »seriöser« Kampfsportarten, welches die Show zum Paradox werden läßt und den Showeffekt denunziert. The Scorpion King umgeht diese Aspekte, indem er sich zu dem bekennt, was Wrestling schon immer war und auch explizit sein sollte: Fiktion und Show. Zwei Begriffe, die dem Attraktionsfilm seit über hundert Jahren zukommen und die das Actionkino Hollywoods zur Perfektion verinnerlicht hat.

So ist The Scorpion King, seines Zeichens Spin-Off von The Mummy Returns, ein 90-minütiger (Wrestling)kampf, der sich weiterer struktureller Vorteile der geschlossenen narrativen Form bedient: Das ideologisch moralische Motiv von Protagonist und Antagonist ist seit jeher Bestandteil eines jeden dramaturgischen Schemas und kann ganz simpel in konventionelle Gut-Böse-Muster aufgelöst werden, in die wiederum deren begriffliche Verschiebung durch Katharsis und Verrat (kennt noch jemand Rick Flair?) integriert werden können.

Das Regelsystem, das dem Sport als Bedingung zugrunde liegt, wird umgangen, da der Schiedsrichter nicht erst bewußtlos gekloppt werden muß, damit der Einsatz von Hieb-, Stich- und Schußwaffen möglich ist. Und scharfe Frauen können immer und jederzeit durchs Bild laufen, und nicht erst, wenn sie das Schild mit der Rundenzahl durch den Ring tragen müssen (was beim Wrestling sowieso nicht passiert).

Vor allem aber können Actionszenen in aufwendigen Kulissen und mit Hilfe modernster Spezialeffekte stattfinden. Das macht The Scorpion King noch nicht zu einem guten Film (eher zu einem ziemlich schlechten, um genau zu sein), doch immerhin zu einer ziemlich unterhaltsamen Kampfshow. 1970-01-01 01:00
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