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The Road to Memphis

USA 2003. R,K: Richard Pearce. B: Robert Gordon. K,P: Robert Kenner. S: Charlton McMillan.
90 Min. Reverse Angle ab 3.6.04

Ole Man City

Von Constanze Frowein Der Blues ist in aller Munde. Selbst Schultze, den ungewöhnlichen anhaltischen Helden des Schorr-Filmes Schultze gets the blues zieht es nach Louisiana, als er den Klängen des Cajun verfällt. Richard Pearce – als Kameramann für Woodstock preisgekrönt – bezieht sich in seinem Beitrag zu der siebenteiligen Hommage an »The Blues« allerdings auf Musikgrößen aus der Stadt, die Legenden wie B.B. King groß gemacht hat. Nicht Elvis begründete die musikhistorische Bedeutung Memphis', denn diese am »Ole River Blues« gelegene Stadt hat Geschichten zu erzählen, die einen King erst möglich machten. Geschichten von baumwollpflückenden Jugendlichen, deren große Sehnsucht im Blues lag.

Die Gesichter von Musikgrößen wie Rosco Gordon zeugen nicht nur von der Unterdrückung einer ethnischen Minderheit, der jahrzehntelangen Schufterei auf dem Feld oder in der Wäscherei, seine Augen lassen ein Leben erahnen, das in seiner Härte akzeptiert wird. Gordons Leben ist der Blues und dieser ist aus dem Leid schwarzer unterdrückter Arbeiter entstanden. Ein namenlos bleibender alter Mann, der den Blues zu erklären versucht, merkt an, daß die jüngeren Generationen den Blues nur dann weitertragen könnten, wenn sie sich ihrer Vergangenheit entsinnen würden.

Doch auch in der Beale Street, dem sogenannten Hotspot des Blues scheint das große Vergessen zu grassieren. Als Blueslegende Gordon eine bermuda-behoste Touristin nach seinem Namen fragt, erwidert diese: »Rosco Gordon? Never heard about.« Der Tourismus in Memphis boomt, doch wofür steht der Name dieser Stadt? »Sun Records« ist nicht nur der Name einer Plattenfirma, die Elvis, »The King of Rock'n Roll«, zum Ruhm verhalf, auch Ike Turner, B.B. King oder Howlin' Wolf spielten dort ihre ersten Platten ein und boten dem weißen Elvis den Nährboden für seine musikalische Karriere.

Die Musikdokumentation The Road to Memphis lebt durch die Geschichten von Musikern, die in Memphis groß wurden, die Stadt verließen und nun an den Ausgangspunkt ihrer Karriere zurückgekehrt sind, um eine Blues-Session mit alten Bekannten zu zelebrieren. Welche Chance hat der Film und somit der Blues bei den Menschen, die nichts von den Ursprüngen von Hip-Hop, modernem RnB oder Funk und Soul wissen? Es ist die Vielseitigkeit dieser erdigen Klänge, die einen an die ungeschönte Geschichte Amerikas, an die alltägliche Sehnsucht des Entfliehens aus dem Alltag und den eigenen Ursprung erinnern.

B.B. King singt mit einem Lächeln auf den Lippen von der Zeit, als er jung, einsam und arm war, nur seine Mutter ihn zu lieben schien: »…but she's working, too«. 1970-01-01 01:00
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