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The Ring

USA 2002. R: Gore Verbinski. B: Ehren Kruger. K: Bojan Bazelli. S: Craig Wood. M: Hans Zimmer. P: MacDonald, Parkes-Bender-Spink. D: Naomi Watts, Martin Henderson, Brian Cox.
115 Min. UIP ab 13.2.03

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Von Sascha Seiler Eigentlich sollte man zu diesem Film besser gar nichts sagen, denn jedes Wort könnte zuviel sein und die Spannung nehmen. Außer vielleicht, daß es nicht ratsam ist, sich den Film auf Video anzuschauen. Das hat weniger mit monumentalen Cinemascope-Aufnahmen zu tun, sondern vielmehr damit, daß der Zuschauer bereits das Kino mit einem nicht näher definierbaren Schauer verlassen wird, auf Video stünden ihm sieben bange Tage bevor. Natürlich könnte man allerhand mediale Reflektionen über die dargebotene Geschichte herbei fabulieren, doch eigentlich ist der Kern des Ganzen letztendlich eine erstaunlich lange anhaltende Spannung und ausnahmsweise mal ein blödes Ende, das dennoch befriedigt.

Reflektieren kann man vielleicht am ehesten über den Film im Film, das Videoband, das ins Verderben führt. Anfangs fühlt man sich bei The Ring ja noch an ein Teen-Horror-Plagiat erinnert. Dann kommt auch noch Naomi Watts schon wieder als Journalistin daher, und man denkt daran, daß diese Konstellation ja schon Down nicht gut getan hat. Aber schon bald schlägt die Scream-Ästhetik in eine sehenswerte Variante des American Gothic um – kein Wunder, so was kann ja nur im Nordosten oder Nordwesten spielen, denn die Wälder und freien, regnerischen Felder sind schließlich bedrohlicher als die große Stadt.

Doch wenn der Film im Film einsetzt, nimmt man Mäusejagd-Regisseur Gore Verbinski das erst nicht ab: Er wird den Film als Fiktion entlarven, ihn stehen lassen, als das, was er ist, ein undurchdringliches ästhetisches Gebilde, und somit nicht für die Augen des Kinogängers bestimmt. Fragmente sollten in diesem Falle dem Aufbau der Spannung genügen, denn die wahre Bedrohung, das wird klar, als der Film im Film beginnt, ist der Feind in uns selbst: die Angst davor, es nicht mit einer Fiktion zu tun zu haben.

Und was passiert? Man sieht den ganzen bedrohlichen Kurzfilm – mit den Augen der Journalistin, ergo mit den eigenen. Als das Telefon klingelt, um den nahenden Tod zu verkünden, weiß man, daß man zum Komplizen geworden ist, daß man schließlich das gesehen hat, was man nicht sehen dürfte. Man wird aus Angst zum Anti-Voyeur, möchte wegschauen, um nicht zum aktiven Teilnehmer zu werden. Die letzte Einstellung des Films rettet den Kinobesucher vor seiner Angst, doch was wird aus dem Videozuschauer?

Dieser Film wird, sobald er für den Video/DVD-Markt herauskommt, mit einer Fiktionswarnung versehen werden müssen, denn im Gegensatz zum »Copy Kills Music« steht hier als Message zu deutlich: »Not copying will kill YOU«. Dieser Film ist vor allem ein Alptraum für Marketingstrategen. 1970-01-01 01:00
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