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The Punisher

USA/D 2004. R,B: Jonathan Hensleigh. B: Michael France. K: Conrad W. Hall. S: Steven Kemper. M: Carlo Siliotto. P: Columbia Pictures, Lions Gate, Marvel. D: Thomas Jane, John Travolta, Samantha Mathis, Roy Scheider, Rebecca Romijn, Marcus Johns, James Carpinello u.a.
124 Min. Columbia ab 10.6.04

Recht statt Rache

Von Frank Brenner Gerade in den letzten paar Jahren haben die Comics des Marvel-Imperiums einen regelrechten Boom erlebt, der sich in zahlreichen, höchst erfolgreichen Filmadaptionen der gezeichneten Geschichten niederschlug. Neben Ang Lees Hulk sind an dieser Stelle die beiden X-Men-Verfilmungen von Bryan Singer und natürlich nicht zuletzt Sam Raimis Spiderman-Adaption zu nennen, die ebenfalls demnächst in die zweite Runde gehen wird. Die Marvel-Helden zeichnet aus, daß sie keine makellosen Supermänner sind, sondern stets mit sich und ihrer Umwelt hadern und mit schwerwiegenden Problemen klarkommen müssen.

So auch der Punisher. Unter seinem bürgerlichen Namen Frank Castle war er einer der herausragendsten FBI-Agenten, dem mit Vorliebe besonders heikle Fälle anvertraut wurden. Als bei einem Undercover-Einsatz bei einer Schießerei ein Kleingangster getötet wird, der sich als Sohn eines mächtigen Paten entpuppt, wird Franks Familie von dessen Schergen liquidiert. Daraufhin wird Castle zum Berserker, der nicht auf Rache oder Vergeltung aus ist, sondern auf eine angemessene Bestrafung.

Jonathan Hensleighs Film braucht eine Weile, bis er eine klare Linie gefunden hat. In der ersten halben Stunde haben wir es mit einem nicht sonderlich originellen Kriminal- und Actionfilm zu tun, der die Zutaten des Genres neu zusammenwürfelt und professionell angerichtet serviert. Doch sobald Castle zum »Punisher« wird, ändern sich die Gangart und Sprache des Films. Voller Zynismus wird dann ein Mann präsentiert, der an seinem Kummer zu zerbrechen droht, aber von einer Wut getrieben wird, die ihn zum kühl kalkulierenden Vollstrecker werden läßt. Selten zuvor wurde ein brutaler Actionfilm dermaßen sarkastisch und makaber in Szene gesetzt.

Eines der Highlights des Films stellt ein Zweikampf bis auf die Knochen dar, den der Punisher mit einem russischen Auftragskiller ausfechten muß, der so bedrohlich und komisch zugleich wirkt, wie seit Beißers Auftritten in den 70er-Jahre-Bonds kein anderer Profimörder mehr. Zu den beschwingten Klängen von Verdis »La donna e mobile« beginnen die beiden Spezialisten ein tödliches Ballett des Grauens, dessen anfänglicher Brachialhumor mehr und mehr dem bereits etablierten bärbeißigen Zynismus weicht. Der Film ist sicherlich nichts für Zartbesaitete, aber wer sich für die übertriebene Gewalt der Kill Bill-Filme von Quentin Tarantino erwärmen konnte, wird auch in dieser ungewöhnlichen Comicadaption gut unterhalten werden. Eine Fortsetzung scheint schon so gut wie sicher, was beim Charisma des bislang eher in Nebenrollen reüssierten Tom Jane wohl auch eine wünschenswerte Entwicklung in dessen Karriere darstellen dürfte. 1970-01-01 01:00
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