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Portrait of a Lady

USA 1996. R: Jane Campion. B: Laura Jones. K: Stuart Dryburgh. S: Veronika Jenet. M: Wojciech Kilar. D: Nicole Kidman, John Malkovich, Barbara Hershey, Mary-Louise Parker u.a.
142 Min. PolyGram ab 9.1.97
Von Thomas Meißner Ich habe mich gelangweilt. Jede einzelne der 142 Minuten habe ich gezählt, und als der Film vorüber war, fragte ich mich: »Was hast du da eigentlich gesehen?« Jane Campions Portrait of a Lady ist eine Adaption des Henry-James-Romans gleichen Titels. Zugegeben, die landschaftlichen Aufnahmen sind grandios, die hergezauberte Kulisse des Englands und Italiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeindruckend. Und auch die Schauspieler tun wirklich ihr bestes, aber sie retten den Film nicht.

Worum geht es? Da ist die junge Amerikanerin Isabel Archer (Nicole Kidman), die auf das Landgut ihrer Vorfahren nach England zurückkehrt, dort einen Heiratsantrag des Aristokraten Lord Warburton (Richard E. Grant) ablehnt, sich aber gut mit ihrem Cousin Ralph Touchett (Martin Donovan) versteht, mit der Erbschaft ihres Onkels (Sir John Gielgud) und mit ihrer Freundin Henrietta Stackpole (Mary-Louise Parker) gen Italien aufmacht, dort erst ihren amerikanischen Verehrer Caspar Goodwood (Viggo Mortensen) wiedersieht und ablehnt, dann den künstlerisch veranlagten Lebemann Gilbert Osmond (John Malkovich) kennenlernt, ihn später heiratet und, nachdem noch viele, viele Menschen ihren Weg kreuzen, ihn wieder verläßt und nach England zurückkehrt, usw., usw. Der Vergleich mit der Spannung eines Telefonbuches drängt sich auf: Viel Personen, wenig Handlung.

Nicole Kidmans letzte Leinwandauftritte werden dem Cineasten sicher eindrucksvoller in Erinnerung bleiben als ihre Tränenarien in dem Jane-Campion-Epos. Und auch John Malkovich schafft es nicht, dem Film Spannung einzuhauchen.

Daß dieses Werk Jane Campions Filmographie wohl nicht aufwerten wird – nun ja, vielleicht lag es auch an den mangelnden filmischen Anlagen der Vorlage. Halten wir ihr das zugute. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
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