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The Other Final

NL/J/I 2002. R,B: Johan Kramer. K: Lex Brand. S: Jonathan Griffith. M: Marcel Walvisch. P: Kesselskramer, Robot.
78 Min. Arsenal ab 24.6.04

Bhutan, Bhutan, wir fahren nach Bhutan!

Von Carsten Happe Wir schreiben den 30. Juni 2002. Die ganze Welt ist ein Fußball, jeder fiebert dem Weltmeisterschaftsendspiel zwischen Brasilien und Deutschland entgegen. Außer in Bhutan, einem verschwindend kleinen Königreich im Himalaya, und nicht weil die Obrigen solchen Schnickschnack wie Fußball oder Fernsehen verboten hätten. Nein, in der Hauptstadt Thimphu versammeln sich 20.000 begeisterte Fans, um das »andere Finale« zu sehen, die entscheidende Partie um den Titel der schlechtesten Nationalmannschaft der Welt. Gegner von Bhutan, Platz 202 der FIFA-Weltrangliste, ist das britische Protektorat Montserrat in der Karibik, im Klassement des Weltverbands noch hinter den Asiaten gelegen.

Passend zur Fußball-EM in Portugal beglückt der Filmverleih Arsenal nun die hiesigen Programmkinos mit dem Festivalhit The Other Final des Niederländers Johan Kramer, der ebenso wie seine Landsmänner vor zwei Jahren bekanntlich viel Zeit hatte, dem WM-Spektakel in Korea und Japan abstinent zu bleiben. Der Hobbypsychologe in uns darf vermuten, daß das seinerzeit schmachvolle Ausscheiden der Oranjes in der Qualifikation durch die Hinwendung zu den weltschlechtesten Mannschaften kompensiert werden sollte, doch Kramer betont ausdrücklich, daß es keineswegs darum gehe, die unbeholfenen Exotenteams vorzuführen.

Und in der Tat: Kramer nähert sich mit hintergründigem Witz, aber stets liebevoll den enthusiastischen Bemühungen beider Länder, dieses Gipfeltreffen zustande kommen zu lassen. Die Begeisterung und Vorfreude überträgt sich nach kurzer Zeit in den Kinosaal, unprätentiös vorgetragene Anekdoten wie die des Vulkanausbruchs, der Montserrats einzig brauchbares Spielfeld halbierte, steigern die Sympathie für die Underdogs ins Unermeßliche. Nicht eine Sekunde gibt Kramer seine Protagonisten der Lächerlichkeit preis, selbst das allenfalls auf Kreisliga-Niveau spielende Finale wird mitreißend in Szene gesetzt. Auch außerhalb des Stadions ist The Other Final – für eine Dokumentation weiß Gott nicht üblich – bestechend schön fotographiert und vermag mit einigen netten Gimmicks ebenso die Cineasten unter den Fußballfans zu begeistern.

Die völkerverbindende Botschaft, die in der Kommerzialisierung weltweiter Sportevents mittlerweile irgendwie abhanden gekommen ist, wird dabei eher durchs Hintertürchen, aber umso nachhaltiger serviert. Und wenn Deutschlands Gurkentruppe so weiterspielt, ist sie spätestens 2010 ebenfalls reif für ein »Other Final« – schaden könnt's ihr nicht. 1970-01-01 01:00
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