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The Opposite of Sex

USA 1997. R,B: Don Roos. K: Hubert Taczanowski. S: David Codron. M: Mason Daring. D: Christina Ricci, Martin Donovan, Lisa Kudrow, Lyle Lovett u.a.
108 Min. Movienet ab 22.7.99
Von Julian Tyrasa Nanu, dieses Figurenensemble kommt einem doch unangenehm bekannt vor: Eine etwas verhärmte Lehrerin und ihr schwuler Bruder, dessen Freund durch eine Affäre mit dessen Schwester erfährt, daß er bisexuell ist – das klingt verdächtig nach der Ausgangssituation für eine deutsche Beziehungskomödie. Doch in The Opposite Of Sex herrscht ein ganz anderer Ton; oder wer könnte sich ein Gespräch zwischen Riemann und Schweiger über blow jobs vorstellen?

Der Debütfilm von Don Roos hält sich weder bei verbalen Derbheiten noch bei (Komödien-) Tabuthemen zurück: So beginnt die Geschichte mit dem AIDS-Tod eines Bruders der Hauptfiguren, und daß ausgerechnet dieses Ereignis die Handlung ins Rollen bringt, weckt (in Kombination mit Mason Darings Musik) Erinnerungen an Louis Malles wunderbare Komödie im Mai.

Doch genau hier beginnt das Problem: The Opposite Of Sex hat zwar glücklicherweise nicht die Schwere und Belanglosigkeit der deutschen Beziehungskomödie, leider aber auch nicht die charmante Leichtigkeit und Intelligenz französischer Sommerfilme. Schon die technische Glätte von Kamera und Schnitt steht dem im Wege, vor allem aber der völlig unangebrachte Anspruch, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen; dazu sind die vorgetragenen »Weisheiten« einfach zu banal.

Das ist um so bedauerlicher, als die überspitzte, klischeehafte Komik des Films ansonsten gut funktioniert. Christina Riccis Rolle als durchtriebenes Luder ist ein Genuß, ihr begleitendes Voiceover ist äußerst originell eingesetzt, es gibt viele gute Witze und zwei erstaunlich anrührende Momente – perfekte Unterhaltung, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. In einer der witzigsten Szenen bringt Lisa Kudrow unfreiwillig das Problem des Films auf den Punkt: Um auszuprobieren, ob ihr schwuler Freund sich nicht doch von ihrer weiblichen Sexualität erregen läßt, ruft sie ihm dreimal »Vagina!« zu – was natürlich kläglich scheitert.

Ähnliches gilt auch für den verkrampften Versuch, mit dieser Sommer-Sex-Komödie eine tiefschürfende Aussage zu vermitteln: Indem man etwas einfach nur oft ausspricht, erreicht man eben noch keine höhere Bewußtseinsebene. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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