— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Number 23

USA 2007. R: Joel Schumacher. B: Fernley Phillips. K: Matthew J. Libatique. S: Mark Stevens. M: Harry Gregson-Williams. P: New Line Cinema, Contrafilm, Fingerling Films. D: Jim Carrey, Virginia Madsen, Danny Huston, Logan Lerman, Lynn Collins u.a.
98 Min. Warner ab 22.3.07

Filmen nach Zahlen

Von Sebastian Gosmann Zu Beginn eine Rechenaufgabe: Die Mayas glaubten, die Welt würde im Jahre 2012 das Zeitliche segnen. Kombinieren Sie diese Ziffern so, daß die Zahl 23 rauskommt. Also, Taschenrechner raus und los geht’s: 2 + 0 + 1 + 2 = 5. Nix. 201 + 2 = 203. Fast. Ein letzter Versuch: 20 + 1 + 2 = 23. Na also, geht doch! Zugegeben, diese Rechnung ist eine der haarsträubendsten des Films. Doch wenn dem Zuschauer das Gefühl vermittelt wird, mit jedem weiteren präsentierten Beispiel für die Allgegenwärtigkeit dieser ominösen Zahl müsse ihm vor Erstaunen ein weiteres seiner Augenäderchen platzen, dann kann das mitunter ganz schön nerven. Vor allem diejenigen, die bereits Zeugen der paranoiden Verstrickungen des jungen Karl Koch in Hans-Christian Schmids famosem 23 waren. Der hat das Thema schon vor gut zehn Jahren quasi auserzählt. Wenn Jim Carrey nun also – vollkommen hysterisch und ohne Luft zu holen – über die Leinwand hastet und dabei wie verrückt Quersummen berechnet, wenn mit jedem dritten Kameraschwenk die nächste 23 ihre zumeist verdiente Bedeutungslosigkeit verliert, dann ist The Number 23 – zumindest für die Kenner von Schmids 1998er Werk – nichts weiter als redundantes Effektkino.

Sicher ist es immer wieder interessant, Jim Carrey bei seinen ersten Gehversuchen in immer neuen Genres zuzusehen. Doch wenn dem Regisseur das richtige Händchen für die Charakterentwicklung fehlt, dann ist auch des Schauspielers Handwerkszeug unbrauchbar. Die überstilisierte, düstere Halbwelt, in die sich Walter Sparrow beim Lesen des mysteriösen Buchs begibt, ist zwar durchaus hübsch anzusehen. Doch birgt diese, visuell – ich kann mir nicht helfen – irgendwie an Sin City erinnernde Parallelgeschichte ein gewisses Maß an unfreiwilliger Komik, bedenkt man, daß es ausgerechnet ein harmloser Hundefänger ist, der hier zum ebenso knallharten wie endcoolen Detektiv mutiert. Und unfreiwillige Komik ist ja bekanntlich Gift für jeden um Ernsthaftigkeit bemühten Psychothriller.

Somit gelingt es dem Film nicht nur nicht, das unverzichtbare Mitgefühl für den Protagonisten zu evozieren, sondern auch die mit viel Brimborium erzeugte Spannung verfehlt seine Wirkung. Zudem offenbart das vor Moral und Anstand nur so strotzende Ende von The Number 23 einen Fall von Augenwischerei, der bei vielen Zuschauern nur skeptisches Kopfschütteln hervorrufen dürfte. In den USA war Joel Schumachers Psychothriller an dessen Startwochenende der zweiterfolgreichste Film. Da kann der gute Mann aber von Glück reden, daß 23 ein deutscher Film ist! 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap