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The Mothman Prophecies

USA 2001. R: Mark Pellington. B: Richard Hatem. K: Fred Murphy. S: Brian Berdan. M: Tomandandy. P: Lakeshore. D: Richard Gere, Laura Linney, Will Patton u.a.
119 Min. Concorde ab 25.4.02
Von Matthias Grimm Die Welt des Kinos wird wieder unheimlich, nicht was die Qualität betrifft, das mag mitunter auch zutreffen, nein, die Rede ist von Filmen, die das Grauen inszenieren, ohne es zu zeigen, und fesseln, indem sie ein Mysterium in dunklen Ecken und Ahnungen im Hinterkopf verstecken.

Nicht daß jemand die langweiligen Teenie-Slasher-Filme und prätentiösen Millenniums-Düsternisse vermissen würde, doch stellt sich die Frage, wie lange die Mechanismen von Projekten mit sechstem Sinn und Schatten der Anderen zu variieren sind, bis es entweder zu langweilig ist oder Wes Craven einen neuen bahnbrechenden Film dreht, in welchem er jene Mechanismen offenlegt.

Dem entgegen steht Mothman Prophecies, der – wie auch The Others – zeigt, wie mit handwerklichem Können und präziser Inszenierung ein solides Stück Kino entstehen kann, das auch die wenig innovative Handlung vergessen läßt und stattdessen die Lust am Schauer und Rätselhaften zelebriert.

Das liegt zum einen an Regisseur Mark Pellington, dem es gelingt, selbst hundertfach gesehene Szenen wie einen Autounfall auf neuartige und packende Weise zu filmen: ein Huschen, Schreie, Schemen, dann nur noch Bewegung, Kreisen und der Aufprall. Er zeigt nicht Bilder von dem, was geschieht, sondern macht Situationen physisch erfahrbar. Sein Kameramann Fred Murphy läßt die Figuren aus menschenleeren Straßen in tiefe Unschärfen wandeln, um sie dann gänzlich aus dem Blick zu verlieren, stets das Nicht-Sichtbare im Bild präsent haltend. Hinzu entwirft Oliver Stone-Cutter Brian Berdan durch seine assoziative Montage einen Raum der Furcht, in welchem er Dimensionen außerhalb der Wahrnehmung real werden läßt: Nicht die eigentliche Einstellung macht den Film aus, sondern das Erahnte, Befürchtete; die Schatten, die sich in Augenwinkeln und Erinnerungsblitzen verborgen halten – verstärkt durch eine meisterliche Tonspur, die mittlerweile sowieso zum, äh, guten Ton gehört.

In gewissem Sinne ist Mothman Prophecies der Lynch light unter den Mystery-Filmen, was nicht nur an der Szene liegt, in der Richard Gere mit dem allwissenden Todesengel am Telefon spricht, sondern daran, daß er Fragen aufwirft, nicht um sie zu beantworten, vielmehr um kleine Episoden der Verwirrung und des Schreckens aneinanderzureihen – ohne daß die Kausalität ganz flöten gehen muß. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

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