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The Missing

USA 2003. R: Ron Howard. B: Ken Kaufman. K: Salvatore Totino. S: Mike Hill, Dan Hanley. P: Imagine. M: James Horner. D: Tommy Lee Jones, Cate Blanchett, Evan Rachel Wood, Jenna Boyd u.a.
137 Min. Columbia TriStar ab 12.2.04

Go west

Von Carsten Happe Ron Howard hat einen weiten Weg zurückgelegt. Vom schüchternen Sunnyboy seiner frühen Schauspielkarriere zum respektierten Regisseur amerikanischer Epen und Mythen. Allerlei Klamauk und Albernheiten pflasterten seinen Weg, unbeholfen ausgelassene Michael Keaton-Komödien (Splash – die Jungfrau am Haken), immerhin, danach aufgesetztes Breitwandkino mit Cruise und Co., Kassenschlager mit der Nervensäge Der Grinch sowie den Preisregen für ein kreuzbraves Schizophrenie-Biopic, das leider gar nichts vom Genie noch vom Wahnsinn eines A Beautiful Mind verströmte.

Was macht ein Regisseur eigentlich nach dem Oscartriumph? Einfach ganz normal weiter, oder taucht er unter wie James Cameron und entläßt nur dann und wann eine Dokumentation vom Meeresgrund an die Oberfläche? Ron Howard jedenfalls erfüllt sich einen Herzenswunsch: Er dreht einen Western.

Einen Spätwestern, genaugenommen. Diese Unterscheidung ist wichtig, Spätwestern sind grundsätzlich desillusionierend, bereits durchzogen von feinen Rissen des drohenden technologischen Fortschritts, der das Land und ein Genre schon bald in die Knie zwingt. Ein Grammophon blitzt kurz auf in The Missing, und die jungen Ladies der Stadt belagern es entzückt. Ein Telegraph erleichtert die Arbeit des Sheriffs, doch eine Hilfe ist er daher noch lange nicht.

Die archaischen Kräfte dominieren diese ländliche Gesellschaft im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts immer noch – ein letztes Mal. Die ältere Tochter der alleinerziehenden Farmerin Maggie wird entführt, ihr Freund grausam massakriert. Gemeinsam mit dem entfremdeten Vater nimmt sie die Verfolgung auf, bevor ihre Tochter meistbietend nach Mexiko verkauft wird.

So einfach der Plot dieser Rettungsgeschichte, so faszinierend seine Umsetzung. Mit wuchtigen Bildern fängt Kameramann Salvatore Totino die karge Landschaft New Mexicos ein, unterstützt vom treibenden Score James Horners, der dem Kitsch diesmal keine Chance gibt. Am gelungensten jedoch die Charakterzeichnung, die in Howards Filmen sonst stets so schablonenhaft geriet. Die toughe Maggie, ihr vergrämter Vater, selbst die jüngere Tochter Dot – alle Hauptfiguren besitzen Ecken und Kanten, ihre Brüche machen die Geschichte lebendig.

Ron Howards bisher bester Film Kopfgeld findet hier nicht nur thematisch einen adäquaten Nachfolger; The Missing besticht durch seine Ernsthaftigkeit und handwerkliche Perfektion, allein das allzu abrupte Ende entläßt den Zuschauer mit einem beklommenen Gefühl. 1970-01-01 01:00

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