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The Lost Son

GB/F 1998. R: Chris Menges. B: Margaret Leclere, Eric Leclere, Mark Mills. K: Barry Ackroyd. S: Pamela Power, Luc Barnier. M: Goran Bregovic. P: Scala Prod., Ima Films. D: Daniel Auteuil, Nastassja Kinski, Katrin Cartlidge, Marianne Denicourt u.a.
102 Min. Arthaus ab 25.5.00
Von Thomas Warnecke Ein Mann belauscht ein Paar beim Geschlechtsakt im Hotel, steigt der Frau ins Taxi hinterher und verkauft ihr die Tonbandaufnahme, die er eigentlich ihrem Mann übergeben sollte, geht nach Hause, Anrufbeantworter, Fische füttern, zum Fußball, Delikatessen einkaufen… Lose Alltagsfetzen aus dem Leben eines Franzosen, der sich als Privatdetektiv in London durchschlägt und dabei ziemlich einsam ist.

Am Anfang erinnert The Lost Son an die Mischung aus Unbeschwertheit, Trübsinn und Fragilität im französischen Film der Siebziger, wie es bis heute beispielsweise von Claude Sautet vertreten wird. Dazu paßt auch die grobkörnige, farblich oft reduzierte Kamera von Barry Ackroyd und eine lose, lakonische Montage. Unvermeidlich, daß Daniel Auteuil als Detektiv Xavier Lombard unentwegt Gitanes quarzt.

Von dort aus ist es kein weiter Weg mehr zu einem Film noir, als Lombard von einer reichen Familie auf die Spur des titelgebenden verlorenen Sohnes gesetzt wird. Als dessen Schwester ist Nastassja Kinski zwar keine femme fatale, doch als mißtrauische und gebrochene Figur bildet sie den stärksten Gegenpol zum facettenreichen Spiel Auteuils.

Daß der Film sich dann auch noch als Actionthriller versucht, als der Detektiv bei seinen Ermittlungen auf die Spur eines Kinderpornorings gerät, und der Film phasenweise in ein plattes Gut-gegen-Böse-Schema verfällt, ist einzig eine Schwäche des überladenen Drehbuches, das Margaret und Eric Leclere zusammen mit Mark Mills nach ihrem eigenen Roman verfaßt haben. Die Kamera, der Schnitt und die durchweg überzeugenden Darsteller sorgen weiterhin dafür, daß der Film spannend und sehenswert bleibt, ohne von den reißerischen Momenten überrollt zu werden.

Letztlich bedarf es eben einer gewissen Action, damit Auteuil vom kleinen Privatdetektiv zum großen Helden werden darf und mit den Bösen auch die dunklen Punkte seiner Biographie besiegt, und damit The Lost Son von der Überfülle an Motiven und psychologischen Motivationen nicht erdrückt wird. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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