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The Impostors

The Impostors. USA 1999. R,B,D: Stanley Tucci. K: Ken Kelsch. S: Suzy Elmiger. M: Gary DeMichele. P: Fox Searchlight. D: Oliver Platt, Alfred Molina, Tony Shalhoub, Steve Buscemi, Isabella Rossellini, Campbell Scott, Woody Allen u.a.
101 Min. Fox ab 20.7.00

Väter der Klamotte

Von Thomas Warnecke Wann immer Oliver Platt komisch sein will, muß er sich gegen Überväter der Filmgeschichte behaupten: In Peter Chelsoms großartigen Funny Bones ist es Jerry Lewis, der sein vernichtendes Urteil über ihn spricht: Du bist nicht komisch. Doch in Lee Evans findet er einen Partner, an dem er sich hochziehen kann. Ein solcher Partner ist ihm in The Impostors Stanley Tucci, mit dem er gemeinsam in die Fußstapfen und auch in die Zeit der Marx-Brothers tritt.

Das bedeutet zunächst einmal harte Arbeit, gegenübersitzend Grimassen schneiden und im Straßencafé eine Live-Probe; damit bringen sie es immerhin bis zum Vorsprechen bei Woody Allen, dem aber als erfolglosem Theaterproduzenten, wie könnte es anders sein, im entscheidenden Moment die Frau und Geldgeberin durchbrennt. Und das ist nur der erste von vielen Star-Auftritten, welche den beschwingten, temporeichen und natürlich ziemlich absurden Gang der Handlung garnieren. Wie die großen Vorbilder (A Night at the Opera und vor allem Monkey Business) verschlägt es auch unsere beiden Komiker auf ein Schiff und mitten in eine illustre Gesellschaft. Neben den schauspielerischen Glanzlichtern oder vielmehr damit verbunden, ist es die hemmungslose Nostalgie, die dem Film sein wundervolles Gesicht gibt. Es werden Kulissen geschoben wie zur Glanzzeit der Studioära, und der Film gibt sich nicht nur eine Sekunde Mühe, das zu verbergen.

Es ist ein eitler und selbstverliebter Reigen, den der Komödiant Stanley Tucci da inszeniert hat, und er ist klug genug, auch seinem Gefährten Platt und den anderen aus dem bunten Typen- und Knallchargenensemble Gags zu überlassen. Der beste sei hier gleich verraten: Platt liegt unterm Bett eines Schurken, der gerade auf Russisch (?) seinen Verbündeten funkt – und Platt liest einfach die Untertitel mit, die im Spiegel des Wandschranks natürlich verkehrt herum erscheinen. Ein bißchen Innovation in einem Film, der im Wettstreit mit seinen Vorbildern vor allem bekannte Slapstick-Situationen neu durchspielt, von einer meist statischen, bühnenhaft kadrierenden Kamera stilecht fotographiert.

»Hochstapler« bedeutet der Titel im Deutschen, und der Film sieht so aus, als würde dieser Titel nicht nur auf die von Platt und Tucci gespielten Figuren, sondern auch auf den Regisseur zutreffen: Sein Umgang mit den Vorbildern der Filmgeschichte und die vor allem von Oliver Platt überzeugend vorgeführte Spiel-im-Spiel-Darstellung zeigen, daß Schauspiel und Kinematographie eben nichts anderes bedeuten als die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Nicht umsonst nimmt das Geschehen nach einer »Hamlet«-Aufführung seinen Lauf, diesem größten aller Spiel-im-Spiel-Stücken. Im Gegensatz zum schmierigen Tragöden spielt der Film jedoch leichtfüßig seine Selbstreferentialität als Trumpfkarte aus.Zum Kapitänsball erscheint Tucci im Groucho-Marx-Outfit. Das ist fast ein wenig unverschämt und trägt gerade deshalb zum verspielten Charme dieser großen kleinen Kintopp-Klamotte bei. 1970-01-01 01:00

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