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The Hole

GB 2001. R: Nick Hamm. B: Ben Court, Caroline Ip. K: Denis Crossan. M: Clint Mansell. S: Niven Howie. P: Cowboy Films, Granada Film. D: Thora Birch, Daniel Brocklebank, Embeth Davidtz, Keira Knightley, Desmond Harrington, Laurence Fox, Steven Waddington.
102 Min. Tobis ab 20.9.01

Teeniefilm

Von Thomas Waitz Liz (Thora Birch) kehrt als einzige zurück aus dem Bunker, The Hole, verstört, mit seltsam-verschlossenen Erklärungen für das, was geschehen ist. Ihre Freunde, durchweg verzogene Sprößlinge vermögender Eltern: tot. Die Idee, sich für ein Wochenende in der abgelegenen, stillgelegten Anlage einschließen zu lassen, die Hoffnung auf ein kurzes Abenteuer, haben sie mit dem Leben bezahlt. Doch schnell zeigen die Nachforschungen an dem elitären englischen Privatinternat, das wie die schlechte Kopie einer amerikanischen High-School wirkt, daß es eine andere Wahrheit zu geben scheint, eine, die sich nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Erwachsene sind in Nick Hamms Film The Hole auf zweifache Weise ausgeschlossen. Auf der Ebene des Plots sind sie zwar diejenigen, die nach einer Lösung des Rätsels um die getöteten Internatsschüler trachten und dabei die Handlung vorantreiben. Doch ihre vermeintlichen Erklärungsversuche sind von einem tatsächlichen »Verstehen« des Verbrechens weit entfernt, und gründen sich auf Fehlannahmen, die – weil sie auch dem Zuschauer nicht ersichtlich werden – für einige überraschende Twists sorgen. Der Zugang der Erwachsenenwelt zu dem Geschehen entspricht einem Blick von Außen, der, typisch für einen Thriller, einer Verlängerung der Zuschauerperspektive entspricht, und der für die eigentliche Gefühlswelt der heranwachsenden Protagonisten keinen Anschluß findet.

Die den Film prägende Spannung ensteht aus der Differenz zwischen den phantasierten Erklärungsversuchen der Protagonistin und der erst gegen Ende buchstäblich sichtbar werdenden, tatsächlichen Ereignisse innerhalb der Blackbox des Bunkers. Beide Versionen, Liz' Phantasie einerseits, changierend zwischen Selbstschutz und purer Einbildung, und die »Realität« andererseits, werden in Form narrativ miteinander konkurriender Rückblenden vermittelt – ohne daß der Film jedoch die sich hieraus ergebende Irritation zu nutzen wüßte, gar nach »filmischer Wahrheit« zu fragen imstande wäre. Letztlich bleibt die Auflösung dieses Konflikts so absehbar wie nebensächlich. Auf den ganzen Film bezogen ist das nur konsequent.

An The Hole wird andererseits eine Tendenz sichtbar, die für das gesamte Genre kennzeichnend scheint: Die Ebene der Erwachsenen wird vollständig ausgeblendet. Auf sich allein gestellt sind die Jugendlichen hier in einem doppelten Sinne. Mit Ausnahme der Polizei und einer Psychologin, deren insistierendes Nachfragen nach der »Wahrheit«, die sie hinter den Schilderungen Liz' vermutet, mehr recht als schlecht eine Tätermotivation erschließen soll, kommen Erwachsene in der Welt von The Hole nicht mehr vor: Weder als Lehrer, noch als Eltern, noch als Zeugen des Geschehens. Das seit langem an seine Grenzen stoßende Genre des Pubertätsdramas hat damit endgültig liquidiert, was noch an so etwas wie das »wahre Leben« erinnerte, und die ewig gleiche Binnenperspektive auf Kastendenken und Pubertätsprobleme zu durchbrechen imstande war. Der Teeniefilm: In The Hole scheint er endgültig bei sich selbst angekommen zu sein. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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