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The Guardian – Jede Sekunde zählt

The Guardian. USA 2006. R: Andrew Davis. B: Ron L. Brinkerhoff. K: Stephen St. John. S: Thomas J. Nordberg, Dennis Virkler. M: Trevor Rabin. P: Touchstone Pictures, Beacon Communications, Contrafilm. D: Kevin Costner, Ashton Kutcher, Sela Ward, Melissa Sagemiller u.a.
136 Min. Buena Vista ab 19.10.06

Ein Froschmann aus Amerika

Von Dietrich Brüggemann Eins sollte man vorneweg mal klarstellen: Wenn hier von Rettungsschwimmern die Rede ist, dann bedeutet das nicht, daß David Hasselhoff am Strand von Malibu spazierengeht. Nein, wir reden von Leuten, die sich mit Neoprenanzug und tonnenschwerer Spezialausrüstung aus 12 Metern Höhe vom Hubschrauber in die eiskalte Beringsee fallen lassen. Die korrekte deutsche Berufsbezeichnung dafür lautet »Froschmann«.

The Guardian singt also das Lied des Froschmannes Kevin Costner, der ist der beste seiner Zunft, hat unzählige Menschen aus dem Meer gezogen und gilt als lebende Legende. Eines Tages geht bei einem Arbeitsunfall sein gesamtes Team vor die Hunde, woraufhin sein Vorgesetzter ihm eine Auszeit aufbrummt. Also geht er ins Ausbildungslager der Froschmänner, wo es schon vor seiner Ankunft recht militärisch zuging, und stellt den ganzen Laden mit unkonventionell-praxisnahen Trainingsmethoden vom Kopf auf die Füße. Allerdings trifft er dort auf einen hungrigen, hochtalentierten Jungspund, mit dem er erstmal gehörig zusammenrasseln muß, bevor eine väterliche Freundschaft entstehen kann und das Schicksal sie zusammenschweißt, bis schließlich… ja, das schreibt sich alles so schön süffisant-ironisch, doch Ironie prallt an diesem Film eigentlich völlig ab, denn er kommt aus Amerika, und er ist sich seiner Sache so sicher wie ein Eisberg.

In Godards Pierrot le fou tritt in einer Szene der Regisseur Samuel Fuller auf und nennt die Elemente seines Schaffens, und weil er eben englisch spricht, steht neben ihm eine schöne Frau und dolmetscht. Fuller erwähnt »Action« und »Violence«, die Frau dolmetscht, und in der deutschen Synchronisation kommt am Ende »Geschehen« und »Ungestüm« heraus. Und genauso ist das eigentlich immer mit Amerika und Europa – die machen was, uns fehlen die Worte, man redet aneinander vorbei.

The Guardian ist voller Geschehen und Ungestüm, stellenweise bravourös und mitreißend, dann wieder von unerhörter Plattheit, doch voller amerikanischer Tugenden. Man würde sich so gern mit voller Inbrunst darauf einlassen, man würde gern sein ironisches, intellektuelles, unterkühlt-analytisches Gehirn an der Kinotür abgeben und mit den Helden mitfiebern und jubeln und untergehen, zwischendurch klappt das auch, doch am Ende redet der Film dann doch an mir vorbei. Er ist zugleich toll und doof, ungefähr so wie die Juniortüte bei MacDonald's. Aber das Meer, wie es unter dem Rotor eines Hubschraubers Wellen wirft, ist trotzdem ein grandioser Anblick. 1970-01-01 01:00
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