— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Green Mile

USA 1999. R,B,P: Frank Darabont. K: David Tattersall. S: Richard Francis-Bruce. M: Thomas Newman. P: David Valdes. D: Tom Hanks, Michael Clarke Duncan, David Morse, Michael Jeter, Patricia Clarkson u.a.
182 Min. UIP ab 10.2.00
Von Valeria Füchtner Fünf Jahre nach seinem Kinodebüt Shawshank Redemption schuf der Regisseur Frank Darabont erneut einen Gefängnisfilm. Wie seine Erstlingswerk basiert The Green Mile auf einer Erzählung des Kultautors Stephen King und dessen gleichnamigen, sechsteiligem Fortsetzungsroman. Erwartet man nun subtilen Horror vergleichbar mit »ES« (dem Film und Buch), liegt man fehl.

The Green Mile ist ein geheimnisvoller Kriminalfall und ebenso eine lebensbejahende Geschichte wie Shawshank Redemption. Darabont präsentiert uns einen mystisch angehauchten Film, der von mirakulösen Geschehnissen im Todestrakt des Cold Mountain Gefängnisses zur Zeit der Depression erzählt. In eine Rahmenerzählung bettet Darabont die wundersamen Taten des zum Tode verurteilten John Coffey. Der Widerspruch seiner Erscheinung zu dessen Vermögen und Verhalten, zwischen angelastetem Verbrechen und Wunderheilung stürzen den damaligen Oberaufseher und Erzähler in tiefe Zweifel.

Die Gestaltung des Sets unterstreicht im besonderen Maße die Atmosphäre im Film, so verwandeln kathedralartige Fenster den Todestrakt in einen mystischen Raum. Nicht nur daß es sich um eine wundersame Erzählung handelt, ungewöhnliche Dinge rücken in den Vordergrund: eine Maus, ein Harnwegsinfekt und die Probedurchläufe der Hinrichtung mit dem Elektrischen Stuhl. Gleichzeitig konzentriert sich die Handlung vor allem um den Gefangenen John Coffey und läßt die anderen Todeskandidaten und deren Vorgeschichte außer Acht. Dagegen steht jedoch das gewinnende Spiel der Nebenfiguren, so zum Beispiel Michael Jeters Interpretation Eduard Delacroix.

Darabont verknüpft die Erzählebenen einerseits durch das Aufdecken eines Geheimnisses, andererseits, in dem er beispielsweise die Erinnerung des Erzählers durch den Film Top Hat (1935) erwachen läßt. Der Verknüpfungspunkt, das erneute Zitat der unvergesslichen Tanzszene von Ginger Rogers und Fred Astaires zu Irving Berlins »Cheek to Cheek«, geht mit der völligen Glorifizierung des Heilers John Coffey einher. Im Projektionsstrahl sitzend verleiht Darabont Coffey einen Heiligenschein. Meinem Geschmack nach zuviel der Erhöhung. Erschöpfend ist auch die Länge des Films, von den drei Stunden nimmt allein die Einführung 15 Minuten ein. Das Gläubige und überspitzt Wundersame raubt dem Film die Überzeugungskraft. Ungewöhnliche Perspektiven sowie technische Virtuosität bleiben in The Green Mile jedoch aus. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap