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The Good Thief

GB/CDN/F/IRL 2002. R,B: Neil Jordan. K: Chris Menges. S: Tony Lawson. M: Elliot Goldenthal. P: Alliance Atlantis Communications u.a. D: Nick Nolte, Emir Kusturica, Tchéky Karyo, Said Taghmaoui.
108 Min. Solo Film ab 9.10.03

Die Rückkehr des film noir

Von Frank Brenner Die Eingangssequenz von Neil Jordans neuem Film ist rasant geschnitten und hetzt mit dem noch völlig ahnungslosen Zuschauer durch das dubiose Halbweltmilieu, das Nachtleben der strippenden Minderjährigen und der heruntergekommenen Fixer. Inmitten dieser von illegalen algerischen Einwanderern durchsetzten Drogenszene Südfrankreichs ist auch der Gangster Bob Montana gestrandet, ein Wrack dank Alkohol und Heroin. Nick Nolte, dessen Gesicht seit zwei Jahrzehnten schon aussieht, als ob sein ganzes bisheriges Leben eine einzige durchzechte Nacht gewesen sei, stellt die ultimative Wahl für diesen Betrügerkönig dar, und mit lakonischer Grantelei und mimischem Minimalismus macht er diese Rolle zu einem Highlight seines Schaffens.

Der innovative Auftakt des Films scheint indes Jordans Zugeständnis an das Erzähltempo der Post-Videoclip-Ära zu sein und kein Stilmittel, das ihm wirklich liegen würde oder zu seinen bisherigen Arbeiten paßt. Dementsprechend schnell wechselt er dann auch wieder zu einem vertrauten Erzählfluß, einem konventionelleren Inszenierungsstil und ruhigeren Szenenwechseln. Was keineswegs heißen soll, daß der Unterhaltungswert, das Tempo oder das Gelingen des Films darunter leiden würden. Nach dieser fulminanten Exposition wird The Good Thief immer mehr zu einem jener altmodischen Caper Movies im Stile von Jules Dassins Du rififi chez les hommes und Topkapi. Ein weiterer dieser Klassiker, Jean-Pierre Melvilles Bob le flambeur, diente Jordans Drehbuch als Vorlage.

Neil Jordan gelingt es vielleicht nicht, dem Genre neue, eigene Aspekte abzugewinnen. Dafür schafft er es auf versierte Weise, die Eleganz und Ausgeklügeltheit, die bereits die erwähnten Klassiker auszeichnete, auf seinen eigenen Film zu übertragen. Die Charakterzeichnung, insbesondere die der Hauptfiguren, ist zudem sehr differenziert und dank der herausragenden Darsteller durchweg glaubwürdig. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #32.
© 2012, Schnitt Online

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