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The Gift – Die dunkle Gabe

The Gift. USA 2000. R: Sam Raimi. B: Billy Bob Thornton, Tom Epperson. K: Jamie Anderson. S: Bob Murawski, Arthur Coburn. M: Christopher Young. P: Lakeshore Entertainment, Paramount Classics. D: Cate Blanchett, Giovanni Ribisi, Keanu Reeves, Katie Holmes, Greg Kinnear, Hilary Swank, Gary Cole u.a.
111 Min. Helkon ab 4.10.01
Von Frank Brenner Spätestens seit Haley Joel Osment mit seinem sechsten Sinn Tote hören und sehen konnte, hat das Okkulte und Übernatürliche in Hollywood wieder Hochkonjunktur. Annie Wilson, die von Cate Blanchett verkörperte Hauptfigur in Sam Raimis neuem Film hat die Fähigkeit, Dinge zu sehen, die noch passieren werden oder schon an anderen Orten geschehen sind. Obwohl sie bislang mit Kartenlegen Kapital aus ihrer Begabung geschlagen hat, wird ihr diese Gabe nun immer mehr zum Verhängnis, weil sie dadurch mit unliebsamen Ereignissen konfrontiert wird, die mit einem Mord zusammenhängen – und dennoch nimmt sie keiner ernst.

Der Meisterregisseur von Horrorklassikern wie The Evil Dead und Army of Darkness ist mit diesem Film nach Abstechern in die Genres Western (The Quick and the Dead) und Sportfilm (For Love of the Game) wieder zu seinen Leisten zurückgekehrt. The Gift – Die dunkle Gabe ist ein Film aus einem Guß, dem man die Professionalität und Genreerfahrung seines Machers ansieht. Aber Sam Raimi hält sich zurück, Splatterszenen und Schockeffekte machen einer leisen und sich nur unterschwellig entwickelnden, lang anhaltenden Spannung Platz.

Zusammen mit seinem Kameramann Jamie Anderson und seinem Ausstatter Neil Spisak hat Raimi einen Film geschaffen, der seinem einheitlichen Look über die ganze Spielzeit treu bleibt. Schon die Eröffnungssequenz mit wunderbar eingefangenen Landschaftsaufnahmen von ruhigen, aber beängstigend tristen Waldseen Georgias legen die Stimmung und das Erscheinungsbild von The Gift fest. Grau- und Brauntöne überwiegen und lassen keinen Raum für kräftige oder sattere Farben.

Selbst die Darsteller fügen sich auf harmonische Weise in das optische Gesamtbild ein und sind weit entfernt vom Klischee der perfekten Hollywoodschönheiten mit makellosem Aussehen und durchgestylten Luxusappartements, wie sie uns von so mancher Starproduktion vorgeführt werden. Cate Blanchett zeigt sich herber als gewohnt in ihrer Rolle als robuste, alleinerziehende Mutter vom Lande, die mit ihren einfachen Habseligkeiten so gut es eben geht zurechtkommen muß. In den späten 70er Jahren wäre Sissy Spacek die Idealbesetzung hierfür gewesen. Auch Keanu Reeves macht einen weiteren Schritt weg von seinem Sonnyboy-Image, das er mit The Watcher schon zu dekonstruieren versuchte.

Sam Raimis Film ist eine spannende Mischung aus Kriminal- und Gruselgeschichte. Dem Regisseur gelingt es, durch den Aufbau einer durchgehend stimmigen, unheilvollen Atmosphäre das Interesse des Zuschauers wachzuhalten und ihn auf weite Strecken an die Story und die kantigen Charaktere zu fesseln. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
© 2012, Schnitt Online

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