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The Flintstones in Viva Rock Vegas

USA 2000. R: Brian Levant. B: Deborah Kaplan, Harry Elfont, Jim Cash, Jack Epps. P: Bruce Cohen. K: Jamie Anderson. S: Kent Beyda. D: Mark Addy, Stephen Baldwin, Kristen Johnson, Jane Krakowski, Thomas Gibson, Alan Cumming, Joan Collins, Harvey Korman u.a.
UIP ab 8.6.00

Resteverwertung

Von Matthias Grimm Comics oder Zeichentrickserien auf die Kinoleinwand zu transportieren, ist sicherlich keine leichte Übung. Der sketchhafte Charakter der Vorlage geht in der überlangen »abendfüllenden« Verwertung häufig verloren, da sich die Dramaturgie nur selten ohne Qualitätsverlust in die Länge ziehen läßt. Realverfilmungen sind eine willkommene Alternative, da hier der visuelle Reiz in der Umsetzung der gezeichneten Vorlage in eine surreale bis unwirklich an die Realität angenäherte Scheinwelt liegt. Diese Komponente wird leider allzuschnell zum Selbstzweck, was der Vorreiter dieser Bewegung – The Flintstones aus dem Jahre 1994 – bewies, aber durch eine wahre Flut von originellen Einfällen und köstlichem Setdesign rechtfertigen konnte.

The Flintstones in Viva Rock Vegas will nun dieses Konzept weiterführen, um an den gigantischen Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen und den angeschlagenen Universal Studios aus der finanziellen Notlage zu helfen. Um frischen Wind ins angestaubte Bedrock zu bringen hat man sich zudem für ein Prequel entschieden, weil's eben so trendy ist zur Zeit. Klingt ja auch spannend, Fred und Barney beim ersten Date mit ihren Zukünftigen zu beobachten.

Damit endet aber schon die Liste der neuen Einfälle, alles weitere folgt peinlichst genau der Machart des Vorgängers. Selbst die redundante Hintergrundgeschichte über einen ebenso reichen wie intriganten Schnösel, der Fred zum ebenso reichen wie intriganten Neu-Schnösel macht und schließlich ziemlich auf die Nase fällt, hat bereits vor sechs Jahren als Blaupause fürs Skript gedient. Die Kulissen bieten einmal mehr den typischen Symbiose-Look aus prähistorischem Steinzeug und funktionalem Getier.

Doch nicht nur, daß das ewige Plastikdesign anmutet, als wäre der Film in der Mittagspause von Disneyland gedreht worden, wird man das Gefühl nicht los, alles im Vorgänger schon einfallsreicher gesehen zu haben. Die Dino-Puppen aus Hensons Creature Shop sind zwar nett, kommen aber nicht über Muppet-Qualitäten hinaus, und die CGI-animierten Saurier werden in aktuellen Computerspielen bereits besser dargestellt.

Bei seiner Dramaturgie verläßt sich Regisseur Brian Levant zu sehr auf die Magie seiner Fantasiewelt, die leider kaum verzaubert. Die aufwendigen Kulissen verkommen zur Staffage, weil Levant es nicht versteht, seine Räume als das zu inszenieren, was sie eigentlich sind: der Star des Films. Statt den Schwerpunkt auf skurrile Einfälle und visuelle Bonbons zu setzen, folgt die Kamera stur konventionell einer langweiligen und leider auch witzlosen Geschichte von einer vorhersehbaren Szene zur nächsten.

Verschenkt wurde auch die eigentlich glänzende Darstellerriege, der es zwar – im Gegensatz zur letztmaligen Mannschaft – gelingt, die gezeichneten Vorbilder mit all ihren Eigenheiten adäquat umzusetzen, vom uninspirierten Drehbuch aber im Regen stehengelassen wird. Ganz oder gar nicht-Held Mark Addy erhofft sich durch das Runterkurbeln publikumsträchtiger Blockbuster wohl den – zugegeben verdienten – Durchbruch, Stephen Baldwin ist sich eh für nichts zu schade, Joan Collins darf froh sein, wenn sie noch vor die Kamera gelassen wird – der Rest empfiehlt sich durch einschlägige TV-Sitcoms. Allein Alan Cummings als außerirdischer Amor und steinzeitliche Mick-Jagger-Kopie kann Akzente setzen, rettet aber auch nichts mehr.

Insgesamt mutet Flintstones 2 wie eine Ideenrestverwertung des ersten Teils an, denen in Ermangelung neuer keine weiteren mehr hinzugefügt wurden. 1970-01-01 01:00
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