— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Fast and the Furious

USA 2001. R: Rob Cohen. B: Ken Li. K: Ericson Core. S: Peter Honess. M: BT. D: Paul Walker, Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster u.a.
107 Min. UIP ab 18.10.01
Von Sascha Seiler Geschwindigkeit, gepaart mit Lautstärke und schnellen Schnitten, sind im Action-Kino der 90er Jahre zu einer unverzichtbaren Ästhetik zusammengeschmolzen. Das definitive Statement zum Thema hat 1993 Jan de Bont in Speed abgegeben , indem er das reine Konzept von Geschwindigkeit zum Gesamtkunstwerk stilisierte.

The Fast and the Furious versucht nun, an diese Tradition anzuknüpfen und sie zu modernisieren, indem jeglicher moralische Anspruch als überflüssiger Ballast abgelehnt und somit von vorneherein auch negiert wird. Kämpft Keanu Reeves in Speed noch gegen einen Bösewicht im traditionellen Sinne, so ist der Hedonismus des Bösen bei den meisten Charakteren dieses Spektakels um illegale Autorennen allgegenwärtig.

Dementsprechend ist der Anti-Held am Ende nicht lediglich ein weiterer gebrochener Charakter, der im Autorennen versucht, seinen Kummer zu ersticken und sein seelisches Leid zu kompensieren, sondern im Grunde tatsächlich der rücksichtslose Verbrecher, dessen moralische Skrupel eher egozentrischer denn tatsächlich ethischer Natur sind. Die fehlende (Pseudo)tiefe innerhalb der oberflächlichen Kunstwelt des Actionfilms hätte ihn noch vor Jahren als Held disqualifiziert. Nun aber ist es gerade die Anziehungskraft des Unmoralischen und eine scheinbare Unmöglichkeit, im gegenwärtigen Action-Kino einen Helden und seinen Antagonisten innerhalb der limitierten Möglichkeiten ihrer jeweiligen Rollen glaubwürdig zu positionieren, die The Fast and the Furious zu einem wahrhaft lohnenden Film machen. Denn nichts erscheint nach diesem Kino-Ereignis langweiliger, als moralische Konflikte, die auf vier Rädern ausgetragen werden. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap