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The Door in the Floor – Die Tür der Versuchung

The Door in the Floor. USA 2004. R,B: Tod Williams. K: Terry Stacey. S: Affonso Goncalves. M: Marcelo Zarvos. P: Focus Features u.a. D: Jeff Bridges, Kim Basinger, Jon Foster u.a.
111 Min. Tobis ab 21.10.04

Liebhaber für einen Sommer

Von Frank Brenner Literaturverfilmungen haben meist ein grundlegendes Problem: Um es möglichst allen Lesern recht zu machen, wird versucht, so viel wie möglich von einem Roman auf die Leinwand zu bringen. Dabei wird der Film dermaßen überladen, daß keinem wirklich gedient ist. John Irving hat mit seinem mehrere Jahrzehnte umspannenden 700-Seiten-Wälzer »Witwe für ein Jahr« sicherlich nicht gerade die einfachste Vorlage für eine Filmadaption geliefert. Doch Tod Williams' Leinwandbearbeitung The Door in the Floor hätte nur zufriedenstellender ausfallen können, wenn dem Regisseur die Spielzeit einer dreimal so langen Miniserie zur Verfügung gestanden hätte. Er tat das einzig Richtige und erzählt von den drei Handlungssträngen der Vorlage lediglich einen, diesen dafür aber komplett und in die Tiefe gehend.

So wird den Feinheiten von Irvings ausgeklügeltem Roman die angemessene Aufmerksamkeit gewidmet und eine absolut stimmige Atmosphäre aufgebaut. Da es den Sprung in die Zukunft der Protagonisten hier nicht gibt, wurde die Story aus den 50er Jahren in unsere Zeit verlegt. Ruth Cole, die dem Roman seinen Titel bescherte, rückt hier in den Hintergrund, der Film konzentriert sich auf das Auseinanderbrechen einer durch einen tragischen Unfalltod entfremdeten Familie. Dabei bietet er Jeff Bridges und Kim Basinger die exzellente Möglichkeit, ihr darstellerisches Potential nach Jahren endlich mal wieder angemessen zur Geltung zu bringen. Bridges spielt eindrucksvoll jenen trinkfreudigen Weiberhelden mit seiner unantastbaren Selbstsicherheit, die am Ende in einem ergreifenden Monolog in sich zusammenbricht. Basinger schließlich ist die ideale Verkörperung einer Frau in mittleren Jahren und ohne allzu viel Make-up, die noch genügend Sexappeal und Ausstrahlung besitzt, um für einen pubertierenden Jungen den Inbegriff seiner sexuellen Phantasien zu verkörpern. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.

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