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The Dixie Chicks: Shut Up and Sing

Shut up & Sing. USA 2006. R: Barbara Kopple, Cecilia Peck. K: Christine Burrill, Joan Churchill u.a. S: Bob Eisenhardt, Aaron Kuhn u.a. P: Cabin Creek Films. D: Martie Maguire, Natalie Maines, Simon Renshaw, Emily Robison u.a.
93 Min. Central ab 16.8.07

Die wilden Hühner

Von Dietrich Brüggemann »Wenn Sie den Papst und die ›Dixie Chicks‹ gegen sich haben, ist Ihre Zeit abgelaufen.« Das sagte Michael Moore, als er 2003 den Oscar für Bowling for Columbine in Händen hielt, und da wurde man hierzulande erst so richtig aufmerksam auf die Band, die mit einer kleinen Bemerkung für großen Aufruhr gesorgt hatte. Allein der Bandname klingt ja wie ein Witz, aber die Dixie Chicks sind in Amerika Superstars und haben mehr CDs verkauft als jede andere weibliche Band. Die Dixie Chicks sind drei Damen plus ihre namenlosen männlichen Background-Musiker, die Dixie Chicks, das ist aber vor allem eine unverschämt großmäulige, gutgelaunte Babyface-Blondine namens Natalie Maines, die sich auf einem Konzert in London hinreißen ließ, ihrer Abneigung gegen George W. Bush von der Bühne herab Ausdruck zu verleihen. Der Satz ging durch die Nachrichten, und im amerikanischen Hinterland brach ein Sturm der Empörung los. Leute verbrannten CDs, malten hirnverbrannte Slogans auf Pappschilder und stellten sich damit vor Konzerthallen.

Die Konzerthallen waren allerdings weiterhin ziemlich voll, weil anscheinend selbst im mittleren Westen längst nicht alle Leute so bescheuert sind, wie wir bei solchen Bildern gern denken – das ist die Botschaft der Hoffnung, die von Barbara Kopples Film unterschwellig ausgeht. Die Dokumentaristin, die zuletzt Woody Allen mit seiner Jazzkapelle auf Europatour begleitete, hat drei Jahre lang die Dixie Chicks immer wieder mit der Kamera besucht. Der Film, der herauskam, erzählt recht viel Musiker-Alltag, durchaus interessant, und es ist ganz beruhigend zu sehen, daß die Karriere der Band durch die ganze Aufregung anscheinend nicht ernsthaft bedroht war. Nur einmal, als der Vorverkauf für die Tour unbefriedigend anläuft, da sieht man so etwas wie echte Sorge in den Gesichtern. Ansonsten haben alle ziemlich viel Spaß, vor allem die erwähnte Natalie Maines, die wirklich ein Naturereignis ist, aber auch der bullige englische Manager der Band, der seinen Job mit sichtlicher Begeisterung macht.

Shut Up & Sing wirft einen Blick in ein seltsam fremdes, aber durchaus faszinierendes Amerika, und er gibt dem inzwischen nur noch nervtötenden George Bush-Gezerre ein paar sehr unterhaltsame Gesichter. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.
© 2012, Schnitt Online

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