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The Day After Tomorrow

USA 2004. R,B: Roland Emmerich. B: Jeffrey Nachmanoff. K: Ueli Steiger. S: David Brenner. M: Harald Kloser. P: Centropolis Entertainment u.a. D: Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal, Ian Holm, Emmy Rossum u.a.
125 Min. Twentieth Century Fox ab 27.5.04

Laßt uns rein!

Von Daniel Albers Bevor Roland Emmerich sicher bald die phantastische Idee hat, einen Film mit Vulkanausbruch zu drehen oder einen über Erdbeben oder einen mit kaputter Ozonschicht, in dem alle Menschen plötzlich von der Sonne verkohlt werden, aber am Ende irgendwer es schafft, einfach das überschüssige Ozon aus unseren versmogten Städten in die Atmosphäre zu blasen (warum hat da nicht schon mal früher jemand dran gedacht?), ist nun also erstmal die Klimakatastrophe dran. Also: Wat is eijentlich ne Klimakatastroph? Stellen wir uns mal ganz dumm…

Klimaforscher Jack Hall wird Augenzeuge davon, wie ein riesiges Stück antarktischen Eises vom siebten Kontinent abbricht und ersucht bei der amerikanischen Regierung vergebens um Gehör für seine Hypothese eines radikalen Klima-Umschwungs, der die Welt in eine neue Eiszeit stürzen werde. Natürlich glaubt ihm niemand, und natürlich kommt erstens alles schlimmer und zweitens schneller als gedacht. Ach ja, die Familienzusammenführung: Natürlich muß Jack Hall seinen störrischen Sohn aus dem vereisten New York befreien, wodurch auch auf der Ebene der Figurendramaturgie das Happy End vollkommen ist: Die zerrütteten familiären Bande sind wieder intakt.

Die genretypisch vollkommen unlogische Story ist zu 100% vorhersehbar, was The Day After Tomorrow trotz seiner gigantischen Spezialeffekte – die, wie von Emmerich nicht anders zu erwarten, Godzilla und Independence Day zusammengenommen noch übertreffen – streckenweise regelrecht ermüdend wirken läßt. Wer aber an Emmerichs neuestes Machwerk (von dem es im übrigen äußerst naiv wäre zu glauben, es sei in seiner Quintessenz auch nur im geringsten politisch motiviert) in etwa mit der Erwartungshaltung herangeht wie an ein Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt, der wird nicht enttäuscht werden.

The Day After Tomorrow ist modernstes Kintopp zum Mitfühlen. Wer Katastrophenfilme mag, findet hier eben den aktuellsten Genrevertreter vor, der das Ausmaß an Zerstörungen und gigantomanischen visuellen Effekten, die in 120 Minuten Film untergebracht werden können, wieder einmal auszuweiten vermag.

Neben den klischeehaftesten Szenen sorgen jedoch sogar ein paar Seitenhiebe auf die amerikanische Regierung und auf das Selbstverständnis der letzten verbleibenden Weltmacht für Lacher. Der Exodus tausender US-Bürger aus ihrem schockgefrierenden Vaterland über die Grenze ins asylverheißende Mexiko kann gar als gelungene Satire bezeichnet werden. 1970-01-01 01:00
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