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The Da Vinci Code – Sakrileg

The Da Vinci Code. USA 2006. R: Ron Howard. B: Akiva Goldsman. K: Salvatore Totino. S: Dan Hanley, Mike Hill. M: Hans Zimmer. P: Columbia. D: Tom Hanks, Audrey Tautou, Ian McKellen, Alfred Molina, Jürgen Prochnow u.a.
148 Min. Sony ab 18.5.06

Jesses Maria!

Von Oliver Baumgarten Mit einem Heiden-Brimborium startet die Verfilmung des Klerus-Schmökers von Dan Brown, Freund der gepflegten Verschwörungstheorie und einer, der es durch einfallsreiche Ketzerei zu einem stattlichen Vermögen gebracht hat. Und wie auf Kommando meldet sich dann umgehend auch der ein oder andere katholische Amtsträger, um lautstark und natürlich immer über die auflagenstärksten Medien den gottlosen Film und ihre ketzerischen Macher anzuprangern und ihm damit die allerbeste Werbung zu bescheren. Sei es nun kürzlich die TV-Serie Popetown oder Mel Gibsons The Passion of the Christ: Das klappt immer. Das klappt sogar so gut, daß gerade Dan Brown-Leser als Fans der gepflegten klerikalen Verschwörungstheorien sich bestimmt ihren Teil dabei denken werden.

Nach dem Buch nun also der Film. Den Inhalt lassen wir hier mal weg, um denen, die das Buch nicht gelesen haben, nichts zu verraten. Und jenen, die das Buch gelesen haben, wird mehr oder weniger sowieso haarklein die gleiche Handlung geboten – mit einigen kleinen Modifikationen natürlich und einem derart schmalzig pathetischen Ende, daß man vermutet, einer verkorksten Huldigung an Cecil B. DeMille beizuwohnen und sicher gleich Charlton Heston mit den Gebotstafeln auftaucht. Ansonsten aber verhält es sich mit Ron Howards Film wie mit Dan Browns Buch: Eine an sich spannende Idee wird verpackt in dröge Dramaturgie und flachste Figuren. Im Film wirkt sich das sogar noch übler aus, weil selbst 148 Minuten zu kurz sind, um gleichsam die komplette Verschwörungstheorie zu entwickeln und Nähe zu den Figuren herzustellen und spannende Action-Sequenzen zu kreieren.

Außerdem gelingt es Ron Howard, eines der Hauptprobleme des Buches im Film sogar noch einmal zu vergrößern. Da setzt man dem Weiblichen mit dem Grundgedanken der Story das wohl größte Denkmal des Abendlandes und schafft es auf der anderen Seite nicht einmal, der einen weiblichen Figur, die überhaupt in der Handlung eine Rolle spielt, auch nur einen Hauch von Stärke zu verleihen. Sophie Neveu ist immerhin Polizistin, aber Audrey Toutou macht in der Szene, in der sie eine Pistole in die Hände bekommt, ein Gesicht, als würde jemand vor ihren Augen ihre Schuhsammlung verbrennen. Der ganz normale Hollywood-Sexismus also im Angesicht des heiligen Weiblichen: Jesses Maria, das hätte Leonardo da Vinci sicher gar nicht gefallen.

Und visuell? Wirklich bemerkenswert sind eigentlich nur die Rückblenden in die Antike, über die ständig Schnellfeuer-Offtexte gesprochen werden. Das Ganze erinnert dann an diese Fernseh-Erlebnis-Dokus mit Spielszenen – nur halt wesentlich aufwendiger. Ansonsten fällt Ron Howard nichts ein, das nicht auch in jedem anderen Blockbuster unserer Tage zu sehen wäre.

Schade, Erzkatholik müßte man sein, dann könnte man sich offensichtlich über den Film wenigstens noch aufregen. 1970-01-01 01:00

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