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The Crossing

NL/D 1999. R,B: Nora Hoppe. K: Walther van den Ende. S: Vessela Martschewski. M: Zaher Howaida P: Isabella Films, Tatfilm, Zentropa. D: Behrouz Vossoughi, Johan Leysen.
99 Min. Zephir Film ab 1.2.01
Von Tamar Noort Crossing: Das ist eine Überquerung, eine Kreuzung, ein Übergang. Bâbak (Behrouz Vossoughi) lebt seit zwanzig Jahren in der Fremde und hat es doch nie geschafft, die Kreuzung zu überwinden, die ihn von der alten Heimat in die neue führen sollte.

Die Isolation eines Menschen bildnerisch umzusetzen, bietet eine große Bandbreite filmischer Möglichkeiten. Nora Hoppe wählt lähmende Langsamkeit und setzt auf ein äußerst konzentrationsfähiges und aufnahmewilliges Publikum, denn um diesem Film gerecht zu werden, erfordert es harte Arbeit. Nimmt man die Herausforderung an, eröffnet sich auf nicht uneindringliche Weise das Porträt eines zutiefst verstörten, isolierten Menschen im Exil, dessen Entwurzelung ihm seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft genommen hat. Der Weg zu dieser Erkenntnis ist lang und wahrlich ziemlich steinig.

Dabei stellt die Kamera die Gefühlswelt Bâbaks mit durchaus innovativen Mitteln dar; so klebte Kameramann Walther van den Ende für manche Einstellungen alte Brillengläser vor die Kameralinse, um zu illustrieren, wie sich Realität und Erinnerung vermischen. Die entstandenen Bilder sind aber so verschwommen, daß sich der Zuschauer eher selbst eine Brille wünscht als ein künstlerisches Stilmittel zu vermuten. Johan Leysen flaniert durch den Film als souveräner Schöngeist, der erst am Ende sein wahres Gesicht zeigt und somit gar noch für etwas Spannung sorgt. Was aber hauptsächlich hängenbleibt, ist eine Szene in einer Kneipe, bei der alle Gäste in einen rätselhaften Schlaf verfallen. Das dürfte in den Kinosälen nicht anders aussehen… 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
© 2012, Schnitt Online

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