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The Cooler – Alles auf Liebe

USA 2003. R,B: Wayne Kramer. B: Frank Hannah. K: Jim Whitaker. M: Mark Isham. S: Arthur Coburn. P: ContentFilm. D: William H. Macy, Alec Baldwin, Maria Bello u.a.
104 Min. Alamode ab 4.3.04

Vom Pech verlassen

Von Matthias Grimm Von all den Talenten und Fähigkeiten, die einem von Geburt an mit auf den Weg gegeben sein können, hat Bernie Lootz das denkbar ungünstigste erwischt: Er ist ein Pechvogel. Doch, welch Wunder, er hat dieses nichtsdestotrotz zu seiner Profession machen können. Als sogenannter Cooler sorgt er in einem Casino in Las Vegas allein durch seine Anwesenheit dafür, daß auch die beständigste Glücksträhne abreißt. Bis die Liebe seinem Dasein als Unglücksrabe ein Ende bereitet.

Wahrscheinlich ist es ein Gefühl der Ratlosigkeit, das am nachhaltigsten den Kinobesuch von The Cooler überdauert und sich in der Frage artikuliert, welchen Film man nun eigentlich gesehen habe: eine beschwingte Spielerkomödie, bitter-süße Milieustudie, eine Romanze oder doch eher eine schonungslose Gangsterballade. Die Unentschlossenheit steht The Cooler gut zu Gesicht, verleiht doch vor allem die Nebenhandlung um den Niedergang des alten Las Vegas mitsamt seinen moralisch zweifelhaften Tugenden und Methoden der eher gewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen dem Loser und der Prostituierten eine Tiefendimension, die noch weit unter der glitzernden Oberfläche aus leichter Unterhaltung und versöhnlicher Fabel durchschimmert.

Gleichzeitig gelingt es dieser ab und an durchbrechenden Ernsthaftigkeit, das Gauklermärchen um Glück, Schicksal und die Macht der Liebe immer wieder auf verstörend wirklichkeitsnahes Niveau zurechtzuprügeln. Besonders aber das famos aufspielende Schauspielerensemble ist ein wahrer Sehgenuß: William H. Macy ist in seiner innigsten Rollen seit langem zu sehen; und Alec Baldwin gibt eine lustvolle Vorstellung als abgehalfterter Casino-Chef (böse Zungen mögen auch behaupten, er spiele sich einfach selbst).

Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack, weil die einzelnen Komponenten zwar auf kontrapunktierende Weise ineinander greifen, aber jede für sich nicht richtig funktionieren mag: Für eine Komödie ist The Cooler nicht schelmisch genug, für eine Romanze zu wenig anrührend und als Tragödie zu zauberhaft. Vielleicht hätte ein bißchen mehr Tempo der Geschichte gut getan, ein bißchen Coolness der Atmosphäre mehr Esprit verliehen. So aber ist The Cooler ein putziger Film, der erst ratlos macht und dann irgendwann in Vergessenheit gerät. Was für ein Pech… 1970-01-01 01:00
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