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The Convent

The Convent. USA 1999. R: Mike Mendez. B: Chaton Anderson. K: Jason Lowe. S: John Rosenberg. M: Joseph Bishara. P: Alpine Pictures. D: Joanna Canton, Adrienne Barbeau, Coolio, Megahn Perry, David Gunn, Allison Dunbar, Chaton Anderson u.a.
88 Min. Prokino ab 7.12.00

Trashiger Splatter-Cartoon

Von Norbert Parzinger Das Midnight Movie – unverzichtbarer Bestandteil so vieler US-Collegeparties, und außerhalb so unbekannt. Eine Horrorgroteske muß es sein, gern auch etwas härter, die in schwer angetrunkenem Zustand und mindestens zu zwanzig Mann konsumiert wird. Für den Europäer klingt das immer ziemlich nach Rocky Horror Picture Show, und nun rate man mal, als wessen rechtmäßigen Nachfolger die »Ain't It Cool News« Mike Mendez' The Convent ausgerufen haben.

The Convent beginnt so klassisch, daß sich der Fan schon mal wohlig seufzend zurücklehnt: ein Jeep voller Highschoolkinder, eine verfallene Klosterschule, in der vor Jahrzehten ein Massaker geschehen ist – laßt uns hinfahren und mal reinschauen, oder habt ihr Angst? – Angst, haha, wir doch nicht. Wenig später: Von Geisterhand vernagelte Fenster schneiden jeden Fluchtweg ab, hinter der nächsten Ecke wanken schon die untoten Nonnen heran, und los geht's.

Und alles ist so, wie es sich für richtig schön trashigen Horror gehört. Technisch nicht einmal allzu schlecht – dafür hat Mendez schon zu viele Musikvideos und dergleichen hinter sich; aber den Spaß an der Geschmacklosigkeit, den das Team in der angeblich nur dreiwöchigen Drehzeit hatte, sieht man der Geschichte an. Genreveteranin Adrienne Barbeau, die man aus Zeug wie Cannibal Women in the Avocado Jungle of Death kennen könnte, nimmt sich genauso entzückend selber auf den Arm wie Gangsta-Popper Coolio; sogar einiges Teenieserienvolk wirkt hier direkt ironisch. Die Effektspezialisten setzen ganz auf good old-fashioned Kunstblut, und davon können sie gar nicht genug kriegen – die Szene, in der der Schulmacho unter gewaltigem Ketchupgesprühe seines Schwanzes verlustig geht, dürfte jenseits mancher Schmerzgrenze liegen. The Convent ist die grellfarbige Karikatur eines »Midnight Movie«, noch schneller, noch ekliger, noch simpler – ein Cartoon eben.

In aller formalen Konsequenz: die labyrinthischen Mauern des verfluchten Klosters rahmen fast jedes Bild, die engen Grenzen des Innenraums wirken wie das einzelne kleine Bildfenster auf einer vollgepackten Doppelseite. Auch die Auf-und-Ab-Dramaturgie folgt dem Comicheft-Gesetz des Höhepunkts vor dem Umblättern, und so zappelt die Story in abstrusen Windungen von Gag zu Gag und streift dabei praktisch alles, was sich jemals das Prädikat »Splatter-Kult« umhängen durfte.

Ob der Film, mit dem Killers-Regisseur Mendez und seine Drehbuchautorin wohl ein gemeinsames Klosterschultrauma therapiert haben, nun wirklich selber zum Kultstück wird, bleibt mal dahingestellt. Auch wenn irgendein gewissenhafter Feuilletonist vielleicht einen obskuren Religionsbezug hineininterpretieren mag – außer dem puren Spaß am Splattern steckt eigentlich nichts dahinter. Doch schließlich gibt es Momente, in denen so richtig alberner Schund genau das ist, was man braucht. Und dann wird man Mike Mendez noch dankbar sein. 1970-01-01 01:00
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