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The Blues: Lightning in a Bottle

USA 2003. R,B: Antoine Fuqua. B: Steve Jordan. K: Lisa Rinzler. S: Bob Eisenhardt, Keith Salmon. M: Steve Jordan. P: Vulcan, Cappa, Jigsaw. D: B.B. King, Solomon Burke, Ruth Brown, Bonnie Raitt, David »Honeyboy« Edwards, Nathalie Cole, Macy Gray u.a.
108 Min. Reverse Angle ab 5.8.04

Legenden der Leidenschaft

Von Frank Brenner Dieser vierte Beitrag der von Martin Scorsese ursprünglich fürs US-Fernsehen produzierten Reihe »The Blues« stellt sicherlich so etwas wie deren musikalischen Höhepunkt dar. Wurden in Wim Wenders' Beitrag The Soul of a Man noch etwas uninspiriert Archivaufnahmen von Bluesmusikern mit Studioneuinterpretationen von Bluesklassikern vermischt, bekamen wir in Richard Pearces Film The Road to Memphis schon wesentlich mehr vom Gefühl vermittelt, das den Blues ausmacht. Martin Scorseses eigene Hommage Feel Like Going Home spürte den Ursprüngen weiter nach und begab sich mit dem Zuschauer auf eine Reise zurück nach Afrika.

Antoine Fuqua klammert in Lightning in a Bottle die informativen, geschichtlichen wie soziologischen Hintergründe nun fast vollständig aus und verläßt sich bei seinen Aufnahmen beinahe ausschließlich auf mitgeschnittene Konzertszenen. Aber nicht auf Szenen aus einem x-beliebigen Konzert, sondern auf die eines der größten und bedeutendsten Konzerte seiner Art. Am 7. Februar 2003 fand in der New Yorker Radio City Music Hall ein fünfstündiges Benefizkonzert statt, zu dem sich die größten lebenden Blues-Musiker die Klinke regelrecht in die Hand gaben. Fuqua möchte gar nicht viel mehr erreichen, als die außergewöhnliche Stimmung bei diesem seinesgleichen suchenden Konzert festzuhalten, die Blues-Größen in herrlicher Überlebensgröße auf der Leinwand zum perfekten Sound ihrer Musik präsentieren und somit einen mitreißenden Konzertfilm in technischer Vollendung zu schaffen. Das reißt einen von den ersten Songs, die Angélique Kidjo und Mavis Staples anstimmen, direkt mit, auch, wenn man eigentlich kein ausgesprochener Blues-Fan ist. Da sich die historischen Archivaufnahmen und die Interviews im Backstagebereich auf ein Minimum beschränken, können sich im Laufe des fast zweistündigen Mitschnitts dann aber doch Längen bemerkbar machen, wenn man den Film nicht ohnehin als Ersatz für die entgangene Möglichkeit des Konzertbesuchs selbst ansieht. Gerade bei den Interpretationen von Künstlern wie John Fogerty aber auch Bonnie Raitt machen sich eine gewisse Beliebigkeit und qualitative stimmliche Einbußen bemerkbar. Entschädigt wird man dafür dann aber letztlich mit den Auftritten der übergewichtigen Legenden Solomon Burke und B.B. King, denen es auch sitzend auf der Bühne noch spielend gelingt, das Publikum regelrecht in Extase geraten zu lassen. Für Blues-Fans eine echte Offenbarung und ohne Zweifel der mitreißendste Film dieser sehenswerten Dokumentarreihe. 1970-01-01 01:00
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