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The Big White – Immer Ärger mit Raymond

The Big White. USA 2005. R: Mark Mylod. B: Collin Friesen. K: James Glennon. S: Julie Monroe. M: Mark Mothersbaugh. P: Ascendant. D: Robin Williams, Holly Hunter, Woody Harrelson, Giovanni Ribisi u.a.
100 Min. 3L ab 20.4.06

Fargo Revisited

Von Nicole Ribbeke Immer Ärger mit Bernie, Immer Ärger mit George und Immer Ärger mit Sergeant Bilko. Nun also Immer Ärger mit Raymond. Grund genug, zum erneuten Male deutsche Umsetzungen englischer Filmtitel zu hinterfragen. Dabei hat The Big White es keinesfalls verdient, mit diesen Slapstick-Blödeleien in eine Reihe gestellt zu werden. Angesiedelt eher in der Nähe von Hitchcocks Immer Ärger mit Harry (in diesem Fall wurde der Originaltitel ausnahmsweise sinnvoll übersetzt), zumal in diesem ebenfalls eine Leiche ein- und wieder ausgebuddelt wird, entfaltet The Big White seinen Witz durch einen eher subtileren Humor. Gewärmt werden die kalten Bilder darüber hinaus von einem wohlig-warmen Soundtrack.

Man lasse sich dieses eine Mal zu der unoriginellen Formulierung hinreißen, den Film eine rabenschwarze Komödie in der weißen Weite Alaskas zu nennen, wer jedoch tränentreibende Lacher erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Was bleibt, ist ein schmunzelndes Vergnügen, das hochgradig komödiantische Talent eines Giovanni Ribisi zu entdecken sowie den immer liebenswerten Robin Williams dabei zu beobachten, wie er das zu Eis erstarrte Bein einer Leiche zertritt, damit diese besser in seinen Kühlschrank paßt. Wenn er selbige mit Steaks und gebratenem Speck behängt, sie mit Tierfett beschmiert und die Ermittlungsbeamten sich dann später mit den zerfressenen Überresten fotographieren lassen, gleiten die Verweise auf die morbid-bizarre Coen-Welt ins Offensichtlichste.

Die verquere Handlung um Profikiller als Geiselnehmer und einen verzweifelt abgebrannten, jedoch sympathisch tragikomischen Verlierer in schneebedeckter Landschaft versucht erst gar nicht, die deutlichen Parallelen zu Fargo zu leugnen. Dieses makabre Psycho-Universum der Coen-Brüder bietet allerdings weitaus skurrilere Absurditäten der seelischen Abgründe und deutlich groteskere Auswüchse menschlichen Lebens. Doch mag man es Mark Mylod nicht übelnehmen, sondern als Hommage betrachten, die letztendlich ihren ganz eigenen Charme besitzt. Alles ist etwas glatter, ein Stück weit unbedenklicher, und wenn am Ende die Frauen lächelnd auf der Rückbank sitzen, während die Männer stark lädiert ihre Wunden lecken, weiß man: Die Ordnung ist wieder hergestellt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #42.
© 2012, Schnitt Online

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