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The Art of War

USA 2000. R: Christian Duguay. B: Wayne Beach, Simon Davis Barry. K: Pierre Gill. S: Michel Arcand. M: Normand Corbeil. P: Filmline International. D: Wesley Snipes, Anne Archer, Maury Chaykin, Marie Matiko, Cary-Hiroyuki Tagawa, Michael Biehn, Donald Sutherland u.a.
117 Min. Fox ab 16.11.00

Action vom Unfeinsten

Von Frank Brenner »Die Kunst des Krieges« besteht, wenn man diesem Film glauben darf, darin, den Feind von innen heraus zu besiegen. Genau das haben angeblich die Chinesen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vor, weshalb man sie auch besser unter der Bezeichnung ›gelbe Gefahr‹ kennt. Also gilt es, die Ausbreitung der asiatischen Kultur in den USA zu stoppen und nicht etwa, wie geplant, mit der Aufnahme Chinas in den Welthandelsmarkt gar noch voranzutreiben. Jene rassistischen und dem Prinzip einer Weltkultur entgegenwirkenden Äußerungen macht in diesem Film natürlich einer der Hauptbösewichte, der am Ende verdientermaßen das Zeitliche segnen muß. War auch nicht anders zu erwarten.

Überhaupt läuft The Art of War in allseits bekannten Bahnen ab und versucht diese Genrestereotypen vergeblich mit einer undurchschaubaren und verwirrenden Handlungsführung zu überdecken. Aber selbst das ist mittlerweile Klischee geworden. Christian Duguays Film unterscheidet sich kaum von billigen ›Direct-to-Video‹-Produktionen, denen er durch das Mitwirken von Michael Biehn und Cary-Hiroyuki Tagawa sogar noch Tribut zollt. Doch Duguay ist ein guter Handwerker und hat seinem Film immerhin den Look eines aufwendigen A-Films verliehen.

Die Action ist nämlich durchaus passabel und zeigt Wesley Snipes bei ähnlich unglaubwürdigen Heldentaten wie schon Tom Cruise in Mission Impossible 2. Er springt von Häusern in nicht abzuschätzende Tiefen ohne sich auch nur ein Härchen zu krümmen oder schneidet sich im wahrsten Sinne des Wortes ins eigene Fleisch, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Ganze gipfelt in einem Showdown à la Matrix, bei dem man die Kugeln mit sichtbar gemachten Druckwellen in Zeitlupe durch die Luft fliegen sieht. Wie einfallsreich.

Überhaupt verwendet Duguay so ziemlich jeden Gimmick, den das Actiongenre in den letzten zwanzig Jahren hervorgebracht hat: Bei Konfrontationen zwischen Gut und Böse gießt es stets in Strömen, wilde Szenenschnitte wechseln mit Zeitlupenaufnahmen von rasanten Bewegungsabläufen und für Gedankenfetzen aus der Vergangenheit werden schwarzweiße und schwarzweiß-inverse Aufnahmen eingesetzt.

Vielleicht ist ja was dran, daß man besser andere Filme gut kopiert als selbst welche schlecht neu erfindet. Aber The Art of War ist trotz seiner pausenlosen Action schlichtweg ein spannungsarmer Film. Hinzu kommt, daß er auf menschenverachtende Weise seine Brutalitäten ausspielt – ohne den leisesten Anflug von Humor. Wie unterschiedlich dadurch das Empfinden solcher Gewaltszenen wird, kann man am besten im Vergleich mit Final Destination erkennen: Dort sorgte die bewußte Selbstironie des Regisseurs z.B. bei einer Sterbeszene in der Küche, die mit einem Glassplitter im Hals der Protagonistin beginnt, für ein makabres Sehvergnügen, wohingegen man hier von einer ganz ähnlichen Quasi-Enthauptung lediglich angeekelt ist. 1970-01-01 01:00
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