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The Acid House

GB 1998. R: Paul McGuigan. B: Irvine Welsh. K: Alasdair Walker. S: Andrew Hulme. D: Ewen Bremner, Kevin McKidd, Maurice Roeves, Martin Clunes, Jemma Redgrave u.a.
112 Min. Senator ab 3.6.99
Von Thomas Waitz Zu Beginn und am Ende: Farben und Formen. Dazwischen: auch. The Acid House ist die Adaption dreier Kurzgeschichten des schottischen Autors Irvine Welsh, der 1993 die Romanvorlage zu Trainspotting lieferte. Drei Geschichten, die gemein haben, vom Alltag in einer trostlosen Arbeiter- (oder besser: Arbeitslosen-) Siedlung Edinburghs, übersteigertem Drogenkonsum und der Erbärmlichkeit des Lebens zu handeln.

Da ist zum Beispiel Bob Coyle, der nacheinander alles verliert, was er hat: Seinen Platz in einer Amateur-Fußballmannschaft, seine Wohnung, seine Freundin, seinen Job. Als ob das nicht allein schon schlimm genug wäre, begegnet ihm auch noch Gott, wirft ihm Nichtsnutzigkeit vor und verwandelt ihn zur Strafe in eine Fliege. Den Rahmen eines sozial engagierten New British Cinema sprengt das natürlich allemal, und anders als Ken Loach oder Mike Leigh geht es Paul McGuigan in seinem Spielfilmdebüt auch nicht darum, Veränderungsmöglichkeiten anzudeuten: Die Dinge sind einfach so, wie sie sind, und größtenteils sind sie beschissen. In hart ausgeleuchteten Bildern und oft bemüht stilisierter Montage versucht er, für Welshs rohe und durch rauschhafte Drogenerfahrung gebrochenen Realismus eine entsprechende Bildersprache zu finden. Dabei muß er sich den Vorwurf gefallen lassen, die ästhetischen Vorgaben von Trainspotting weitestgehend einfach unverändert übernommen zu haben. Das geht hin bis zum identischen Einsatz des freeze frames bei der Einblendung der Protagonistennamen und den scheinbar unvermeintlichen, aber völlig unmotiviert wirkenden jump cuts.

Das wesentliche Problem, drei Kurzgeschichten zu einer Spielfilmhandlung zu verbinden, wird hingegen originellerweise dadurch gelöst, daß es erst gar nicht versucht wird. Das läßt den Film insgesamt leider recht kurzatmig erscheinen, obwohl die einzelnen Episoden durchaus spannend aufgelöst sind. Vielleicht ist tatsächlich das größte Problem des Films, daß er aus seinen einzelnen Teilen kein Ganzes zu formen vermag. Richtig ärgerlich hingegen ist die – zugegebenermaßen schwierig zu realisierende – deutsche Synchronisation: Von der direkten und authentischen Sprache Welshs blieb nicht viel über. 1970-01-01 01:00
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