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Terminal

The Terminal. USA 2004. R: Steven Spielberg. B: Sacha Gervasi, Jeff Nathanson. K: Janusz Kaminski. S: Michael Kahn. M: John Williams. P: DreamWorks Pictures, Parkes/MacDonald u.a. D: Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley Tucci, Chi McBride u.a.
129 Min. UIP ab 7.10.04

Teufels-Kreis-Verkehr

Von Oliver Baumgarten Sucht man in Steven Spielbergs Filmen nach Spuren aktueller politischer Kommentare, so muß man zumeist schon ganz genau hinschauen. Holocaust, Sklaverei, Apartheid – wandelt er nicht in phantastischen Filmwelten, so widmet er sich mit Vorliebe den ganz großen historischen Dimensionen, deren moralische Einordnung nicht gerade ein bahnbrechendes Wagnis darstellt. In Terminal ist das anders. Hier thematisiert er, versteckt allein hinter der vornehmlich rührenden Geschichte eines sympathischen Heimatlosen, die Abschottung der USA vor der restlichen fremden Welt. Kritik ist es kaum zu nennen, vielmehr ein moralisierender Kommentar Spielbergs zum Umgang von Regierung und Gesellschaft mit den Folgen des 11. September.

Spielbergs Medium dafür ist Viktor Navorsky, ein auf dem New Yorker Flughafen gestrandeter »Osteuropäer«, den die amerikanischen Behörden weder ein- noch ausreisen lassen, da sich sein Heimatland gerade in einem Putsch befindet und er auf dem Papier somit als staatenlos gilt. Und so richtet sich der freundliche, patente und humorvolle Viktor im Flughafen häuslich ein, bekommt sogar Jobs, einen Love Interest und gewinnt die Herzen sämtlicher Flughafenangestellten. Skepsis gegenüber Fremden, so ist aus dem Film zu lesen, dürfe nicht generalisiert werden, und geschlossene Grenzen bedeuteten auch, sich einer möglichen sozialen und auch ökonomischen Bereicherung zu verschließen.

Zugegeben: keine geradezu gewagte These, doch was Terminal so bemerkenswert macht, ist die Art und Weise, wie diese Botschaft transportiert wird. Spielberg gelingt nach Jahren wieder einmal ein perfektes Stück Erzählkino: überragend fotographiert, in fesselndem Timing komponiert und ohne Spannungsloch humorvoll zuende konstruiert. Intelligente und optisch brillante Unterhaltung, ein Film, der die Regeln des Kinomainstreams zum Optimum ausfüllt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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