— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Tenacious D – Kings of Rock

Tenacious D in: The Pick of Destiny. USA 2006. R,B: Liam Lynch. B: Jack Black, Kyle Gass. K: Robert Brinkmann. S: David Rennie. M: Andrew Gross, John King. P: Red Hour Films, Spümcø. D: Jack Black, Kyle Gass, Jason Reed, Dio, Paul F. Tompkins u.a.
94 Min. Warner ab 8.2.07

Jack Fucked the Dragon

Von Sebastian Gosmann Ob das wohl wirklich so war damals, vor einer scheißlangen Zeit im Hause Black? Ein kleiner, dicklicher Junge – seine Akustik-Gitarre im Anschlag – baut sich vor dem Eßtisch seines strenggläubigen Elternhauses auf und haut Papa, Mama und Brüderchen ein gar unanständiges Stück Rock’n’Roll um die Ohren: »Oh the dragon balls were blazin' as I stepped into his cave, then I sliced his fuckin' cockles, with a long and shiney blade! It was I who fucked the dragon, and if you try to fuck with me, then I shall fuck you too!« Verständlich, daß der erzkonservative Papi daraufhin umgehend klarstellen muß: »This music that you play for us comes from the depths of hell. Rock and roll is Devil's work, he wants you to rebel.« Verzweifelt bittet der kleine J.B. daraufhin sein Idol Ronnie James Dio um Hilfe. Vom Poster aus beschwört der ihn sogleich und in gewohnt pathetischer Heavy Metal-Manier: »In The City of Fallen Angels, where the ocean meets the sand, you will form a strong alliance, and the world's most awesome band.« Also steigt der kleine Jack Black in den Bus nach Hollywood, um sein Glück als Rockstar zu suchen.

Dieser grandiose Auftakt mit Meat Loaf als Black Senior und Dio as himself ist wahrlich ganz großes Kino! Eine richtige kleine Rock-Oper, die uns da in der Pre-Title-Sequenz in alle Glieder fährt und uns unvermittelt headbangen läßt. Da bebt die Leinwand. Und zwar gehörig.

Doch schon während des Vorspanns beschleicht den Zuschauer das ungute Gefühl, dem Höhepunkt des Films bereits beigewohnt zu haben. Nun, diese Vermutung erweist sich insofern als berechtigt, als es in den folgenden 87 Minuten tatsächlich keine annähernd mitreißende Szene mehr geben wird. Daß man sich mit der Entwicklung eines passablen Drehbuchs sehr schwer getan hat, ist offensichtlich. Und so geht auch der Endfassung recht rasch die Luft aus. Was also tun, mit einem derart dünnen Geschichtchen im Rücken? Na klar, Rocken, was das Zeug hält! Und das fällt bekanntlich niemandem leichter als der Rampensau Jack Black. Wie schon in Linklaters School of Rock, ist er die Seele des gesamten Projekts. Wie ein schwarzes Loch zieht er alle Aufmerksamkeit auf sich und läßt – zumindest zeitweise – über vorhandene handwerkliche Schwächen hinwegsehen. Es ist Blacks schier überbordende Leidenschaft für seine Musik, seine »Rolle« und seinen Partner – kurz: für das, was er tut – die dem Film als willkommener Krückstock dient.

So vermag dieses mit einem Haufen hirnloser bis unanständiger Schenkelklopfer, einem irrwitzigen Pilztrip, einer vollkommen überzogenen Verfolgungsjagd und natürlich viel, viel feinster Rockmusik gespickte Musical durchaus zu unterhalten. Black und Gass huldigen dem guten alten Rock und seinen diversen Nachkommen auf ihre eigene, augenzwinkernde Weise und bedienen dabei jegliches Klischee. Unermüdlich üben sie den »Powerslide« – und das Cock-Pushup-Training war am Ende auch nicht für die Katz. Vor allem aber spielen sie nach Herzenslust mit der von konservativer Seite immer noch gern vertretenen Auffassung, daß Heavy Metal Teufelskram sei. So müssen sich »The D« eines Tages etwa dem Beelzebub stellen – und zwar in einem denkwürdigen Rockduell, bei dem sich der Gehörnte höchstpersönlich als Urheber dieser Musikrichtung outet und sein Können an Mikro, Gitarre, Baß und Schlagzeug gleichzeitig unter Beweis stellt. Und das alles macht einfach Spaß. Zumindest dem, der als kleiner Steppke kreuz und quer durch die Plattensammlung seines Heavy Metal hörenden großen Bruders gestöbert ist. Also demjenigen, der JBs und KGs Vergötterung von Leuten wie Angus Young oder Tony Iommi auf irgendeine Weise nachvollziehen kann.

Obendrein sollte der Kinogänger natürlich auch eine gewisse Affinität zu Tenacious Ds Humor mitbringen, um nicht völlig entnervt entweder den Saal verlassen oder aber sein Hirn für die Dauer der Vorstellung vorsichtshalber in die Obhut der Kassenkraft geben zu müssen.

Summa summarum ist das, was Jack Black und Kyle Gass mit Tenacious D in The Pick of Destiny abliefern, das, was der gemeine Fan von ihnen erwarten konnte – keinesfalls mehr, aber eben auch nicht weniger. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap