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Team America – World Police

USA/D 2004. R,B: Trey Parker. B: Matt Stone, Pam Brady. K: Bill Pope. S: Thomas M. Vogt. M: Harry Gregson-Williams. P: Paramount Pictures, Scott Rudin/Matt Stone Production.
107 Min. UIP ab 30.12.04

South Park’s Puppenkiste

Von Frank Brenner Es gehört eine große Portion Mut dazu, im Jahr 2004 einen Puppentrickfilm mit klassischen Marionetten zu drehen, der nicht auf ein Kinderpublikum zielt. Erst vor einigen Monaten wurde die Spielfilmversion der Kult-Puppentrickserie Thunderbirds gänzlich ohne Puppen in unsere Kinos entsandt – und legte eine astreine Bauchlandung hin. Der letzte Spielfilm der Augsburger Puppenkiste, Die Story von Monty Spinneratz, hat mittlerweile auch schon sieben Jahre auf dem Buckel und richtete sich bewußt an die kleinsten Kinozuschauer. Aber Trey Parker und Matt Stone, die Erfinder der überaus erfolgreichen Zeichentrickserie »South Park«, haben schon immer Mut zum Risiko bewiesen. Ihr neuester Streich und zugleich ihr erster mit Puppen steht in seiner subversiven Art ihren bisherigen Arbeiten in nichts nach und bietet die schrägste, originellste und schamloseste Unterhaltung, die man Erwachsenen in einem Film mit Figuren an Drähten präsentieren kann.

Immer dann, wenn irgendwo auf der Welt Terroristen oder sonstige Verbrecher die Ordnung des Zusammenlebens bedrohen, sind sie nicht fern: die knallharten Mitglieder von »Team America«, einer überaus patriotischen und überaus amerikanischen Weltpolizei. Für die Vereitelung eines bevorstehenden Terroranschlages, der den 11. September in den Schatten zu stellen droht, rekrutiert die Truppe ein neues Mitglied, das sie in dem Musicaldarsteller Gary Johnston findet. Der hat schließlich nicht nur mit den Machenschaften des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Il so seine Probleme, sondern muß auch mit dem Engagement Alec Baldwins und seiner Mitstreiter bei der Filmschauspielervereinigung klarkommen und seine Gefühle für Lisa in den Griff bekommen.

Parker und Stone beziehen in diesem sehr politischen Film keine klare politische Stellung. Das kennen wir schon aus ihren Attacken in »South Park«. Nichts ist den beiden Trickfilmern heilig. Über die terroristische Bedrohung machen sie sich ebenso lustig wie über die amerikanische Außenpolitik, in der sich die Nation mit dem Sternenbanner stets als Weltpolizei aufspielt. Dazu bekommen auch die politisch engagierten Köpfe des Showbusiness kräftig ihr Fett weg, von Michael Moore über Susan Sarandon bis hin zu George Clooney. Sie alle tauchen im Film als liebevoll und detailliert gestaltete Marionetten auf, deren Gesichtsmimik schlichtweg grandios ist und die ihre Kollegen aus der Augsburger Puppenkiste fast schon zu Reliquien einer vergangenen Zeit abstempelt. Die Dialoge strotzen vor bitterbösen Anspielungen, was vor allem in den Musicalszenen wirkungsvoll ausgeschlachtet wird. Diese Musikeinlagen sind genauso deplaziert wie in vielen anderen, ernst gemeinten Hollywoodfilmen auch, und nicht nur hier zeigt sich das Talent der beiden Filmemacher, sich gekonnt über die Wirkungsweisen von Melodramen und Actionkrachern lustig zu machen. Ein herrlich blödsinniger Film, der mit Einfallsreichtum und enormem Aufwand eindrucksvoll Gestalt angenommen hat. 1970-01-01 01:00
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