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Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires

RA 2001. R,B: Gabriela David. K: Miguel Abal. S: Enrique Angeleri. M: Mariano Nuñez West. P: Cofradía Nocturna. D: Diego Peretti, Josefina Vilton, Miguel Guerberof u.a.
90 Min. Kairos ab 30.5.02
Von Sascha Seiler In der ersten Hälfte von Gabriela Davids Taxi stellt das Innere des von einem Kleinganoven gestohlenen Taxis das gesamte Universum des Films dar – bis eine angeschossene Frau auf dem Rücksitz landet und der bisher scheinbar sorglose Mann aus seinem Mikrokosmos fliehen muß, um ihr Überleben zu sichern. Das Taxi spielt hierbei die Rolle eines eingeschränkten Lebens, einer Fahrt ins Nichts. Als der Rettungsversuch geglückt ist, verlieren sich die beiden jungen Menschen aus den Augen, doch suchen sie sich gegenseitig, ohne davon zu ahnen.

Die zweite Hälfte des Films ist ein scheinbar endloses Herumirren, aber diesmal zu Fuß und mit einem Ziel. So wie der Hauptdarsteller seine bisherige Existenz nach und nach aufgibt, wird auch der Zuschauer Zeuge einer Veränderung – es ist hell, und Menschen sind plötzlich Teil der Landschaft, anstatt durch sie hindurch zu irren. Am Ende, als ein erster Abschied naht, werden sich die Protagonisten langsam ihrer Gefühle bewußt und bekommen Namen.

Taxi ist ein sehr argentinischer Film, weil er Typen präsentiert und keine Menschen. Esteban ist ein gebrochener Melancholiker, der nach außen hin den harten Macho gibt, und Laura ist die zerbrechlich wirkende, aber selbstbewußte Frau, die jene typische Schönheit argentinischer Frauen besitzt, die nur schwer zu beschreiben ist. Zusammen verkörpern sie einen Traum von Freiheit und den Drang nach einer Liebe, die auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut ist. Es wirkt, als stecke in jedem argentinischen Film die Erinnerung an die Militärdiktatur der 70er und frühen 80er Jahre. Und auch Taxi ist besessen von der Sehnsucht zu vergessen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
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