— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Tattoo

D 2002. R,B: Robert Schwentke. K: Jan Fehse. S: Peter Przygodda. M: Martin Todsharow. P: Lounge Entertainment, Studiocanal. D: August Diehl, Christian Redl, Nadeshda Brennicke, Monica Bleibtreu, Ingo Naujoks u.a.
108 Min. Tobis Studiocanal ab 4.4.02
Von Oliver Baumgarten Eines muß man Roman Kuhn ja lassen. Sein Name steht für einen speziellen Look, für einen persönlichen Stil, an dem er schnell erkennbar ist. Das ist eine schöne Sache, arg viel stilprägende Filmpersönlichkeiten gibt es in Deutschland nicht. Das ist andererseits natürlich auch ein Problem, besonders dann, wenn einem dieser Look nicht gefällt.

Mir sind diese Hochglanz-Effekte und Linsenspielereien zu gelackt, zudem Kuhn sie meist völlig haltlos auf die Dramaturgie kleistert. Kalte Optik und seelenlos schöne Einstellungen, die sich wie Blackouts zwischen Erzählabschnitte drängen – das kann auch Regisseur Robert Schwentke, dessen Debüt Tattoo Kuhn produziert hat. Doch im Gegensatz zu seinem Protegé fand Schwentke zur Illustration seiner Story auch ganz andere Bilder. Gemäß der Handlung, in der zwei Polizisten dem florierenden Handel menschlicher Tattoos ein Ende zu setzen gedenken, suchen Schwentke und Kameramann Jan Fehse immer wieder visuelle Konnotationen zum zentralen Thema des Films: der, einmal abgezogen, seltsam transparent wirkenden menschlichen Haut. So schieben sich während eines Travellings schon mal zwischen Kamera und Figuren milchige Kunststoffplanen, deren faltige Transparenz bizarre Abbilder entstehen lassen. Momente solch gewitzter Einfälle wechseln mit unverblümten Ekel-Einstellungen und recht kaltem filmischem Posiergehabe zu einer optisch interessanten Mischung, die der finstere Christian Redl mit seiner wuchtigen, schnauzenden Darstellung des kaputten Bullen in bemerkenswerter Konsequenz mitträgt.

Ein hinterhältiger Killer-Thriller hätte Tattoo werden können mit einem Schocker am Beginn und der einen oder anderen erstaunlichen Wendung. Doch dann: eine Finte zuviel, eine Andeutung zu wenig und schon reißt es August Diehls Figur aus der Glaubwürdigkeit und die Story aus der kurvenreichen Strecke. Wehe dem, der den Pointenzwang für Thriller einführte, er zwingt Autoren zur bedingungslosen Originalität. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap