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Taking Lives – Für dein Leben würde er töten

USA 2004. R: D.J. Caruso. B: Hillary Seitz, Jon Bokenkamp. K: Amir Mokri. S: Anne V. Coates. M: Philip Glass. P: Taking Lives Films. D: Angelina Jolie, Ethan Hawke, Gena Rowlands, Tchéky Karyo, Jean-Hugues Anglade u.a.
103 Min. Warner ab 8.4.04

Die Coolerin

Von Daniel Bickermann Eine amerikanische Zeitung brachte die Erwartungen an diesen Film auf den Punkt: Taking Lives hätte viele faszinierende Schauspieler aufzuweisen, war da zu lesen, dazu einen erfahrenen Krimiregisseur und einen originellen Plot über einen Killer, der in die Identitäten seiner Opfer schlüpfe. Jeder könne der Mörder sein. Klingt also alles sehr vielversprechend. Aber leider ist da ja noch Angelina Jolie. Und wann hat man das letzte Mal einen guten Film mit Angelina Jolie gesehen?

Die Oscargewinnerin von 2001 hat sich in der Tat zu so etwas wie der Schwarzen Petra von Hollywood entwickelt: Jeder Film, in den sie ihre dicken Lippen hängt, scheint allein durch ihre Anwesenheit qualitativ ruiniert. Und tatsächlich hat Jolie auch diesem Film kein Glück gebracht. Nach einer furiosen, stilistisch radikalen und wunderschön ausgeleuchteten Pre-Credit-Sequence nimmt Taking Lives schnell den Look der zahlreichen Sieben-Kopien an (die Anfangstitel sind direkt von Finchers Genrevorgabe übernommen), inklusive Durchsuchung dunkler Keller ohne polizeiliche Verstärkung, dafür mit einigen schön gemeinen Schockmomenten. Da hegt man noch vorsichtig die Hoffnung, der Film könnte sich wieder erholen und wenigstens ein rudimentäres Spannungsmoment aufrechterhalten. Wer der Killer ist, zum Beispiel. Statt dessen geht es noch weiter abwärts, zuerst in die Gefilde eines gewöhnlichen C.S.I.-Falls (technoide Einblicke in computerisierte Ermittlungsarbeit), dann hin zum Softsex-Filmchen mit vorgetäuschter Handlung und einer der unfreiwillig komischsten Sexszenen der letzten Jahre, nur um dann für die letzte halbe Stunde komplett ins Lachhafte abzurutschen.

Immerhin erfüllen die Nebendarsteller die in sie gesetzten Erwartungen: Ethan Hawke und Gena Rowlands können sogar richtig glänzen, wenn auch nur innerhalb der Beschränkungen ihrer jeweiligen, von logischen Fehlern nicht verschonten Rollen. Und die zahlreichen und fadenscheinigen Ausreden, warum eine F.B.I.-Ermittlerin ausgerechnet im kanadischen Montreal ermitteln soll, haben nicht nur den Vorteil, daß sich die Zuschauer wenigstens an einem erfrischend atmosphärischen Schauplatz langweilen können, sondern bieten auch die Möglichkeit zum Wiedersehen mit einer Reihe lange vermißter französischsprachiger Nebendarsteller: Jean-Hugues Anglade und Tchéky Karyo sind zwar verschenkt, aber trotzdem ist es sehr schön, sie mal wieder auf der Leinwand zu sehen. Im Gegensatz zu Angelina Jolie. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #34.
© 2012, Schnitt Online

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