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Sylvia

GB 2003. R: Christine Jeffs. B: John Brownlow. K: John Toon. S: Tariq Anwa. M: Gabriel Yared. P: Ruby Films. D: Gwyneth Paltrow, Daniel Craig, Jared Harris, Blythe Danner u.a.
110 Min. Solo Film ab 6.1.05

Szenen einer Ehe

Von Cornelis Hähnel Sylvia Plath, eine der bedeutendsten englischsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts, nahm sich 1961, im Alter von 31 Jahren, das Leben. Die schwer depressive Plath veröffentlichte nur einen Roman, »Die Glasglocke«, ihr Gedichtband »Ariel« ist noch heute eine der intensivsten Lyriksammlungen. Jetzt hat ihr Leben unter der Regie von Christine Jeffs Einzug ins beliebte Biopic-Genre gefunden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf ihrer Beziehung zu dem englischen Lyriker Ted Hughes, mit dem sie seit 1956 verheiratet war. Und das ist eigentlich auch schon der größte Schwachpunkt des Films. Denn es erscheint so, als ob es ein Film über Hughes wäre, der versucht, mit seiner manisch-depressiven Frau zu leben.

Plath wirkt immer wie eine, zwar stets präsente, aber dennoch zweitrangige, Nebenfigur. Der Zuschauer sieht sie als eifersüchtige, hysterische Frau, die wie wild Backwaren zaubert und unfähig ist, ihre Schreibblockade zu durchbrechen. Doch auch Plaths Verzweiflung, das Zugrundegehen an den äußeren Umständen, die Schwierigkeit, Mutter und Autorin zu sein, all das wird mit einer beinahe desinteressiert wirkenden Neutralität dargestellt, die die Co-Star-Protagonistin in ein mehr als unvorteilhaftes Licht wirft. Leute, die mit ihrem Werk nicht vertraut sind, werden in ihr wahrscheinlich nicht mehr als eine anstrengende Frau sehen. Alle anderen werden sich ärgern über die Diskrepanz und das mangelnde Verständnis des Films bezüglich ihres Schaffens. Handwerklich durchaus gut gemacht, wird Sylvia immer mehr zum Ärgernis – im Endeffekt hätte man diese Geschichte auch mit einem Fleischer und seiner Gattin drehen können, denn der Bezug zum Werk ist so unzureichend und die »Szenen einer Ehe« zu sehr im Mittelpunkt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

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