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Supernova

USA 2000. R: Thomas Lee. B: William Malone, Daniel Chuba, David C. Wilson. K: Lloyd Ahern II. S: Freeman A. Davies, Melissa Kent, Michael Schweitzer. M: David C. Williams. P: Hammerhead u.a. D: James Spader, Angela Bassett, Peter Fancinelli, Robin Tunney, Robert Forster, Lou Diamond Phillips, Eddy Rice Jr. u.a.
90 Min. UIP

Zerstückelte Zukunftsvision

Von Carsten Tritt Vier Worte des Glücks überstrahlen die Leinwand: »Directed by Thomas Lee«. Ein Lächeln überkommt den Zuschauer, Freudentaumel im Publikum. Vier wunderbare Worte, die das Ende des Films und den Beginn des Abspannes ankündigen, die aber auch sagen: Ihr habt es überstanden, endlich, nach 90 Minuten der Langeweile und der Qual, dürft ihr den Kinosaal verlassen, zurück in die Freiheit, zurück ins Leben.

Aber wer ist dieser Thomas Lee eigentlich, der es schafft, allein durch Nennung seines Namens solche Glücksgefühle auszulösen? Ein scheinbar Unbekannter, und dennoch ein Mann mit einer beeindruckenden Filmographie. Er führte Regie bei Werken wie Der Pate, Nur 48 Stunden oder Nightmare on Elm Street 2. Denn hinter Mr. Lee verbergen sich drei alte Bekannte: Francis Ford Coppola, Walter Hill und Jack Sholder, die alle irgendwann mit dem Projekt zu tun hatten, alle irgendwann genervt die Brocken hinwarfen. Und natürlich hatte keiner von ihnen Lust, seinen Namen durch den von vielen Köchen verdorbenen Brei ruinieren zu lassen.

Der Form halber kurz die Story: Das Raumschiff »Nightingale 229« hängt ohne Treibstoff vor einem Stern fest, der in Kürze in Form einer Supernova zu explodieren droht, dabei muß sich die Crew noch mit einem Geisteskranken herumschlagen, der in der zweiten Filmhälfte im Schiff Amok laufen wird.

Die dauernden Personalwechsel haben dem Film wohl den Rest gegeben, denn Supernova ist alles, nur keine Einheit. Das Hauptproblem ist dabei, daß es dem Film nie gelingt, eine nachvollziehbare Zukunftsvision zu schaffen. So gibt es Raumsprünge und Minengesellschaften, und man braucht eine Erlaubnis der Regierung, um Kinder kriegen zu dürfen, aber diese Elemente werden nie fortgeführt oder verbunden. Darunter leiden auch die Schauspieler: Ich kann noch nicht mal behaupten, sie würden schlecht agieren, ihnen wird einfach nicht erlaubt, ihre Charaktere zu entwickeln. Die Cinemascope-Bilder des durchaus begabten Lloyd Ahern II sind unfähig, irgendeine Wirkung zu erreichen, denn sie sind ohne Sinn und Verstand hintereinandergeschnitten.

Wenn nach einem der albernsten Schlußgags der Filmgeschichte Thomas Lee endlich zu seinen Ehren kommt, wundert man sich nicht, daß sein Film in den USA und England kaum Zuschauer fand, und daß der Film auch in Deutschland floppen wird. Viel erstaunlicher ist es, daß es tatsächlich noch einen Produzenten gab, der diese Überreste unglücklicher Dreharbeiten hintereinanderklebte und in die Kinos brachte. Manchmal ist ein Mülleimer eine durchaus nützliche Einrichtung, vor allem für ausgebrannte Supernoven. Ich hebe meine kaputten Glühbirnen ja auch nicht auf. 1970-01-01 01:00
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