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Die Super-Ex

My Super Ex-Girlfriend. USA 2006. R: Ivan Reitman. B: Don Payne. K: Don Burgess. S: Sheldon Kahn, Wendy Greene Bricmont. M: Teddy Castellucci. P: S E Productions. D: Uma Thurman, Luke Wilson, Anna Faris, Rainn Wilson, Eddie Izzard u.a.
96 Min. Verleih ab 16.11.06.

Lobhudelei an ein Superweib

Von Arezou Khoschnam Eines steht schon mal fest: Ein weiblicher Kino-Superheld hat angesichts der ganzen Super-, Spider- und Batmans die längste Zeit auf sich warten lassen – von längst verjährten Einzelerscheinungen wie Barbarella aus den 70ern und Gastauftritten einer Catwoman neben dem männlichen Star mal abgesehen. Aber Die Super-Ex ist nicht die feministische Antwort auf die testosterongesteuerten Weltverbesserer, sondern eher eine leichte Parodie, wenn man so will. Komödienspezialist Ivan Reitman, der mit Filmen wie Ghostbusters, Twins und Beethoven seit den 80ern für volle Kinosäle sorgt, sieht das Ganze mit einem Augenzwinkern und zeigt dem Zuschauer die überaus menschlichen und somit fehlerhaften Seiten seiner Superheldin G-Girl, deren neurotische Eifersuchtsanfälle den eigenen Freund in die Flucht schlagen.

Anfangs noch wird der leichte Eindruck erweckt, dem Film liege eine philosophische Reflektion über die Schattenseiten des Heldentums zugrunde. Leider ist dem nicht so, was nach den geweckten Erwartungen enttäuschend ist. Stattdessen entpuppt sich diese Liebeskomödie der etwas anderen Art als belanglos und seicht. Wir alle wissen, daß zu jedem Heldendasein eine bürgerliche Identität gehört. So werden dem Zuschauer im Folgenden die vorhersehbaren Gags vorgesetzt, die sich aus dem Zwiespalt zwischen den übermenschlichen Pflichten von G-Girl und den trivialen und gar nicht ehrenhaften Rachegelüsten der Jenny Johnson ergeben. Die moderne Tricktechnik ist hierbei zweifelsfrei ein Highlight. Daneben bleiben die üblichen Zutaten einer Hollywood-Komödie über, die die Lachmuskeln des Zuschauers nicht sonderlich beanspruchen.

Dennoch: Der Film rettet sich trotz pointenarmem Drehbuch ins solide Mittelmaß, und das liegt einzig und allein an Uma Thurman. Mit ihr in der Hauptrolle fiel die Wahl der Produzenten auf eine sehr vielseitige Schauspielerin, die in den bisher unterschiedlichsten Rollen ihr Können unter Beweis stellen konnte. Ob als blondes Dummchen, therapiebedürftige Mittdreißigerin oder schwertkämpfende Muse von Quentin Tarantino – Uma überzeugt in jeder Rolle. Auch dieser Doppelrolle als G-Girl/Jenny Johnson ist sie mehr als gewachsen, wie ihr Talent, ihre Stimmung innerhalb von Millisekunden auf die gesamte Leinwand zu projizieren, eindrucksvoll darstellt. Ihre Ausstrahlung und Präsenz faszinieren, weil sie seltsamerweise stets aufs Neue überraschen. Sie ist ein Chamäleon mit Wiedererkennungswert, dessen Markenzeichen eine Mischung aus einer linkisch-nervösen Bohnenstange und der Verkörperung einer mysteriösen Eleganz ist. Dieses Superweib ist der ästhetische und auch schauspielerische Hingucker dieses Films, dem nach kurzer Zeit bereits die Luft ausgeht und macht ihn nur dadurch sehenswert. Umso erstaunlicher ist es, wie blaß Luke Wilson als genervter Freund daherkommt, der sie zu allem Übel auch noch für eine andere verläßt. »Was will die nur von dem?«, fragt man sich zunehmend und kommt zu dem Schluß, daß er sie gar nicht verdient hat. So kommt es dann auch. Er läuft in die Arme einer 08/15-Blondine, während sie das Herz des mächtigsten Mannes der Stadt erobert. Ende gut, alles gut! Oder nicht? Nun ja, es geht noch besser. Uma Thurmans flexible Rollenwahl ehrt sie zwar, aber es wäre ihr zu wünschen, daß sie sich in Zukunft auf Projekte besinnt, die ihr gerecht werden. 1970-01-01 01:00
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