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Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein

The Taste of Sunshine. CAN/A/D/H 1999. R,B: István Szabó. B: Israel Horovitz. K: Lajos Koltai. S: Dominique Fortin, Michel Arcand. M: Maurice Jarre. P: Alliance. D: Ralph Fiennes, Jennifer Ehle, Rosemary Harris, James Frain, John Neville, William Hurt u.a.
180 Min. Kinowelt ab 20.1.00
Von Frank Brenner Adam Sors ist stolz auf seinen Namen, und er ist stolz auf seine Goldmedaille im Fechten, die er bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin für sein Heimatland Ungarn gewonnen hat. So stolz, daß er sich beharrlich weigert, seinen Namen und seine sportlichen Leistungen zu verleugnen, als die Nazis ihn 1944 im Arbeitslager dazu zwingen wollen. Sein Vater wurde noch als Ignatz Sonnenschein geboren und beantragte die Namensänderung, um als Richter Karriere machen zu können. Adam selbst war, um das Fechten im Offiziersclub erlernen zu können, vom Juden- zum Christentum konvertiert. Im Arbeitslager wird er diese Abstammung nun mit seinem Leben bezahlen: Von den Nationalsozialisten wird er vor den Augen seines Sohnes Ivan zu Tode gefoltert.

Ralph Fiennes wurde von István Szabó ausgewählt, diese drei Männer im Erwachsenenalter zu spielen. Der Engländer, der in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten Charaktere verkörperte, gibt nun auch den drei Generationen ihre individuellen Gesichter. Besonders beeindruckend gerät sein Wandel vom Peiniger Amon Goeth in Schindlers Liste zum Gepeinigten Adam Sors in diesem Film. Unterstützt wird Fiennes von einem ausgesprochen guten Ensemble, das bis in die Nebenrollen echte Gefühle vermittelt und nicht nur plakativ-oberflächlich bleibt.

István Szabó nutzt auch in diesem Film die Einzelschicksale seiner Protagonisten, um Geschichte transparent zu machen. Historische Epochen innerhalb der von 1840 bis 1956 angesiedelten Handlung bleiben nicht nur Orientierungspfeiler in einer bewegten Familienchronologie, sondern werden durch das politische Engagement der Sors-Männer immer wieder plastisch erfahrbar gemacht. Und diese Familiengeschichte ist nicht nur geprägt von politischen Veränderungen und konfessioneller Unentschlossenheit, sondern – natürlich – auch von die Generationen durchziehenden Liebesproblemen. Die sich anstauenden Emotionen entladen sich immer wieder in animalisch wirkenden, reichlich unerotischen Sexszenen. Liebe, auf der ein Fluch lastet.

Warme, herbstliche Farben dominieren den Beginn von Ein Hauch von Sonnenschein. »Ohne den Staub, worin er aufleuchtet, wäre der Sonnenstrahl nicht sichtbar.« (André Gide) Oder: Ohne die Schicksalsschläge wüßte man die Glücksmomente im Leben nicht zu schätzen. Die Kameraführung von Lajos Koltai bleibt im Verlauf des gesamten Films präzise und ästhetisch eindrucksvoll. Seine Farben verlieren jedoch zusehends ihre herbstliche Wärme, werden analog zur Handlung gegen winterliche Kälte eingetauscht. In Ermangelung eines tröstlichen Schlusses liegt es beim Zuschauer, sich ein erneutes Frühlingserwachen auszumalen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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