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Sunshine

GB 2007. R: Danny Boyle. B: Alex Garland. K: Alwin H. Kuchler. S: Chris Gill. M: Karl Hyde, John Murphy, Rick Smith. P: DNA Films. D: Cillian Murphy, Michelle Yeoh, Chris Evans u.a.
95 Min. Fox ab 19.4.07

Mehr Licht!

Von Maike Schmidt Im Jahr 2057 ist es dann ganz plötzlich soweit, die Sonne verliert ihre Kraft, beginnt zu erlöschen. Auf der Erde wird es kalt und dunkel. Jeder Stern muß einmal sterben, und nun ist unserer dran.

Ein guter Aufhänger für einen Film. Dramatisch, visionär und mit genug Platz für Genrevermischungen. Denn daß ein »Eine-Handvoll-Menschen-fliegt-in-den-Weltraum-um-die-Erde-oder-weiß-Gott-wen-zu-retten«-Film mehr als nur einen Quest-Plot haben kann, haben schon viele andere Filme ähnlicher Couleur gezeigt. Man denke an pathetische Action wie in Armageddon, man denke an esoterische Halbphilosophie wie in Mission to Mars oder an ökotraumatisierte Plots wie in Silent Running. Dem langsam verglühenden Monster schickt Regisseur Danny Boyle eine Handvoll Menschen entgegen, die unsere Welt vor ewiger Dunkelheit und Kälte retten sollen. Nach nur zwanzig Minuten und ersten schwachen Versuchen, philosophisches Gedankengut zu transportieren, kommt es schon zur ersten (und immer unvermeidlichen) Außenreparatur-Szene, die zwar langweilig, weil vorhersehbar, aber mit dem Tod eines der Besatzungsmitglieder enden wird. Große Tragik, aber auch großer Bekanntheitsgrad, was leider zum Prinzip des Films werden soll.

Unbeirrt, dafür aber leicht pathetisch aufgeladen, fliegt die Crew weiter, wobei sich die Reihe der Helden lichten werden. Aufhänger dabei ist das Hinterfragen des Machtpotentials des Menschen. Wie weit dürfen wir gehen? Dürfen wir uns über den Lauf der Natur oder Gott stellen und ihm oder ihr ins Handwerk pfuschen? Daß der Mensch sein Schicksal nicht einfach so hinnehmen möchte, ist vielleicht lobenswert und in unseren Trieben festgelegt. Die Moral von der Geschichte, die Boyle hier auf die Leinwand fegt, ist dabei aber erschreckend arrogant. Nicht nur, daß der Mensch es unter allen Umständen darf, er wird auch siegen. Natur, Gott oder wer auch immer ist kein Gegner; der Mensch setzt sich über alles hinweg. Wird zum Erschaffer, zum Herrscher, zu Gott. Neben dieser zweifelhaften Aussage des Films bleibt die ebenso erschreckende Konventionalität des Ganzen zu erwähnen.

Setting, Figuren, sogar das Licht bleiben in bekannten Bahnen dieses Genres verhaftet bzw. wagen nicht auszubrechen und Innovation zu zeigen. Man mag sich von der Sonne beeindrucken lassen, doch kann ihr Lichtspiel in diesem Film nicht die Erwartungen erfüllen, die man sich vielleicht ausmalen könnte. Daß sich z.B. in der Annäherung an den Feuerball Lichtmomente im Raumschiff perspektivisch oder temporär ändern, daß Licht mehr als nur ein Gleißen sein kann. Zu oft sieht man die Figuren einer dunkel-düsteren Raumschiffatmosphäre ausgesetzt, die zwischen Alien und Star Trek schwankt. Welche Vision Boyle hier verfolgt, bleibt in Anbetracht der Konventionalität in der Umsetzung ungewiß, dann sogar ärgerlich, gab er doch in anderen Filmen seiner spezifisch-filmischen Eigenart freieren Lauf und untrüglichen Wiedererkennungswert. So bleibt eine Reise zur Sonne, aber keine Sternstunde des Films. 1970-01-01 01:00

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