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Summer of Sam

USA 1999. R,B: Spike Lee. B: Victor Colicchio. K: Ellen Kuras. S: Barry Alexander Brown. M: Terence Blanchard. P: 40 Acres & a Mule, Touchstone. D: John Leguizamo, Adrien Brody, Mira Sorvino, Jennifer Esposito, Ben Gazzara u.a.
142 Min. MFA ab 9.11.00
Von Rüdiger Suchsland Indem Lee vom Leben der sehr ungleichen Freunde Vinnie und Richie im italienischen Viertel erzählt, porträtiert er zugleich das New York des Jahres 1977: Vinnie ist der Integrierte; er lebt von Samstag zu Samstag wie die proletarische Ausgabe des John Travolta aus Saturday Night Fever. An seiner Seite ist Dionna, seine Frau, die er hemmungslos betrügt und die erst allmählich lernen wird, ihre eigene Macht zu gebrauchen. Richie hingegen ist der Rebell. Er hat den Punk für sich entdeckt, übt Cockney-Akzent und trägt Igelfrisur.

Ein Serienkiller, der historische »Son of Sam«, wird zum Katalysator aller versteckten Konflikte: Er öffnet, spitzt zu, doch bewirkt er auch das Gegenteil: Die Fronten werden geschlossen, Grenzüberschreitungen unmöglich gemacht.

Spike Lees Summer of Sam ist bewundernswert intelligent und voller Überraschungen. Die größte ist natürlich die, daß Lee hier zum ersten Mal einen Film gedreht hat, der nicht in der »Black Community« spielt. Das mache nichts, hat der Regisseur abgewiegelt, die Themen – Freundschaft und Verrat, Moral und Verbrechen, Eingrenzungs- und Ausschlußmechanismen im heutigen Amerika – seien schließlich die selben. Dennoch: Der Bruch, auch stilistisch, ist unübersehbar. Schnell und doch rhythmisch sanft wird erzählt, Lee gelingt mit diesem Quasi-Kostümfilm ein souveräner epischer Grundton, der anknüpft an das ganz große klassische Kino Amerikas. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.

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