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Süperseks

D 2004. R: Torsten Wacker. B: Kerim Pamuk, Daniel Schwarz. K: André Lex. S: Anja Pohl. M: Florian Tessloff.
P: Warner Bros. u.a. D: Denis Moschitto, Marie Zielcke, Hilmi Sözer, Martin Glade u.a.
95 Min. Warner Bros. ab 30.9.04

Lange Telefonsex-Leitung

Von Frank Brenner Vielleicht hat Fatih Akin ja in diesem Jahr mit seinem Sieg bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin mit Gegen die Wand eine Tür aufgestoßen. Obwohl der Anteil der türkischstämmigen Deutschen und Türken in Deutschland mit rund zweieinhalb Millionen Menschen ziemlich groß ist, gibt es hierzulande so gut wie keine Filme, in denen eben jener deutsche Bevölkerungsteil als zentrale Handlungsträger vorkommen. Sie dienten bislang, ähnlich wie andere Randgruppen, lediglich als treffliche Zielscheibe für unterirdisch schlechte Gags. Akin hat mit Gegen die Wand gewagt, Deutsch-Türken einmal so zu inszenieren, wie sie es verdient haben - und damit zu Recht die Zustimmung von Kritik und Publikum erhalten. Anders als das bitter-realistische Familiendrama ist nun Süperseks von Torsten Wacker, und dennoch zeichnet auch dieser Film ein ungleich positiveres Bild als das, was wir von Erkan und Stefan gewohnt sind.

Erkan und Stefan gibt es auch hier. In Süperseks heißt das deutsch-türkische Freundespaar nun Elviz und Olaf, die beiden sind ebenfalls ein wenig prollig, aber keinesfalls so diffamierend überzeichnet. Elviz schuldet seinem steinreichen Onkel eine Menge Geld, das er mit normaler Arbeit nie rechtzeitig wird auftreiben können. Deswegen entschließt er sich, richtig Geld zu machen, indem er eine Marktlücke mit Ideenreichtum zu schließen versucht. Er gründet in Hamburg die erste türkischsprachige Telefonsex-Leitung, damit auch die im Deutschen nur mittelmäßig bewanderten türkischen Familienväter am heißen Draht verstehen, was ihnen zugehaucht wird. Das bietet genügend Stoff für spitze Seitenhiebe, wilde Karikaturen und unpassende Mißverständnisse, weil sich Elviz ausgerechnet in Anna verliebt, die dann auch bei seiner Hotline anfängt ohne zu ahnen, wer ihr Chef ist.

Stellenweise sind die Handlungskonstellationen allzu sehr nach den vertrauten Gesetzmäßigkeiten gesponnen, aber die Figuren sind durchweg sehr liebevoll gezeichnet. Man hatte ja bislang im Kino eher selten die Gelegenheit, mit türkischen Charakteren zu lachen. Hilmi Sözer, der in Filmen wie Voll Normaaal oder Ballermann 6 eher zum Gespött des Publikums wurde, in Zugvögel…einmal nach Inari oder Auslandstournee aber durchaus sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen konnte, erweist sich hier nun als hervorragender Komödiant. Auch die weiteren Rollen sind trefflich besetzt, bis hin zu Peter Lohmeyer, der als neureicher Pornoproduzent sämtliche Register ziehen kann. Süperseks ist zwar keine tiefgründige Unterhaltung, im Genre der deutschen Teeniekomödien jedoch allemal eine lohnenswerte Entdeckung. 1970-01-01 01:00
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