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Suck My Dick

D 2000. R,B: Oskar Roehler. K: Carl-Friedrich Koschnick. S: Gergana Voigt. M: Martin Todsharow. P: Helkon. D: Edgar Selge, Katja Flint, Ralf Richter, Wolfgang Joop, Hannelore Elsner u.a.
82 Min. Helkon ab 8.11.01
Von Jenni Zylka Immerhin ist es, nach Mark Wahlbergs Riesenrakete in Boogie Nights, schon der zweite überdimensionale falsche Schlong, den man innerhalb der letzten drei Jahre im nicht-nur-für-Erwachsene-Kino zu sehen bekommt. Von einem Trend sollte man aber noch nicht sprechen.

In Oskar Roehlers neuem Film hängt der Mega-Zauberstab an Dr. Jekyll, einem erfolgreichen Buchautor, der am liebsten »meinen Kollegen Michel Houllebecq« zitiert und sich ansonsten wie ein rechter Idiot benimmt. Jekyll sucht seinen Psychiater (den über beide lidschattenbedeckten Augenklappen manierierten Wolfgang Joop) auf, der ihm auch nicht bei seinem Problem helfen kann: Jekylls Romanfigur Hyde bricht nämlich aus der Jekyllschen Gehirnwelt aus, die niedlicherweise an das Tohuwabohu im Inneren des Fummlerkörpers in What You Always Wanted to Know About Sex But Were Afraid to Ask erinnert, nur daß hier nicht Burt Reynolds mit einem Bulldozer anrollert und Spaghetti schichtet, sondern der »Selbsthaß«, die Panik und andere Gemütszustände herumstreiten. Der tumbe Hyde trifft kurz nach seinem Lebendigwerden eine Fee, die ihm den Jekyll-Schwanz anhext, und im Laufe des Films auch noch die Jekyll-Haare und die Jekyll-Vorderzähne.

Wie Jekyll sich im Laufe des Films mit seiner Psychoknall-Midlifecrisis herumschlägt, schwanzlos, zahn- und haarlos, das ist schon ziemlich grotesk. Eine Farce nennen das die Feuilletonisten, wenn sie Roehler wohlgesonnen sind, avantgardistischer Bockmist, wenn nicht. Aber das ist der eigentliche Effekt des sich wie ein Affe auf Ecstasy an einem schmalen Grat zwischen Komik, Albernheit, Weisheit und Banalität entlanghangelnden Films: die herrliche Vorstellung, daß Feuilletonisten dieser Welt fassungslos vor dem Werk des Herrn Filmpreisträger sitzen und versuchen, eine Tiefe darin zu finden, damit sie sich nicht veräppelt fühlen.

Dabei geht es wirklich nur um den Spaß. Gut, der Regisseur nennt es »Satire«, nennt es, noch platter, »der Gesellschaft den Spiegel vorhalten«. Aber eigentlich ist es purer, mit wunderbarer Musik, schönen Settings und klasse überkandidelten Bildern gemachter Highend-Trash. Und das ist schließlich nicht das Schlechteste, was man über einen Film sagen kann. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
© 2012, Schnitt Online

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