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Die Stunde des Lichts

D/B/NL 1998 R: Stijn Coninx. B: Jean van de Velde. K: Theo Bierkens. S: Ludo Troch. M: Dirk Brossé. D: Joachim Król, Francesca Vanthielen u.a.
111 Min. Buena Vista ab 31.12.98
Von Tom Beyer »Yes`sir, alright«, viel mehr bringt Trapper Lars am Anfang dieser herzerwärmenden Boy-Meets-Girl-Geschichte aus der norwegischen Eiswüste nicht über die Lippen. Aber neben den Sprachproblemen ist es vor allem das kauzige Wesen Lars', das der jungen Studentin Ellen ihren Ausbruch aus der Zivilisation erschwert.

Eigentlich hatte sich Ellen für ihre Überwinterung in endloser Nacht und extremer Kälte Spitzbergens einen heldenhaften Hünen vorgestellt, der der deutschen Sprache mächtig ist. Lars dagegen ist ein zwar gutmütiger, aber verwahrloster Eigenbrödler, dessen Absichten ganz eindeutig sind. Und so vergeht eine lange Zeit der Dunkelheit in Lars' kleiner Behausung, bis endlich die Stunde des Lichts kommt und sich Ellen dem Werben des Trappers hingibt.

Dieser Moment gehört zu den schönsten in Stijn Coninx neuem Film. Überwältigt von dem Gefühl, endlich am Ziel seiner Träume zu sein und Ellen für sich gewonnen zu haben, bricht Lars vor atemberaubender Kulisse in Freudentränen aus. Grandiose Bilder hat der Scope-Film sowieso en masse zu bieten, genauso wie aufregende Hundeschlittenfahrten durch nächtliche Schneelandschaften oder Begegnungen mit einem schweigenden Eisbären. Bei so viel Oberflächenreizen bleiben Figurenentwicklung und Dialogführung schon ein ums andere Mal auf der Strecke. Dazu fällt durch die deutsche Synchronisation der Charme des norwegischen Akzents eines englisch sprechenden Joachim Król weg, und auch die deutschen Voice-over-Texte (von Amelie Fried) gehören nicht gerade zu den Stärken der deutschen Kinofassung.

Und auch wenn Stijn Coninx nicht immer ganz stilsicher zu Werke geht und etwa Joachim Król eine ziemlich überflüssige obsessive Zuneigung zu Madonna andichtet oder den Erfolg der finalen Liebesbemühungen in Homeruns übersetzt, so gelingt ihm doch sympathisches Unterhaltungskino, das gerade in der kalten Jahreszeit sein Publikum finden sollte. Denn einem Liebespaar zuzusehen, das nur mit Fellmütze und Boots bekleidet in der unendlichen Schneelandschaft herumtollt, macht einfach Spaß. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #13.
© 2012, Schnitt Online

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