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Stürmische Liebe – Swept Away

Swept Away. USA 2002. R,B: Guy Ritchie. K: Alex Barber. S: Eddie Hamilton. M: Michel Colombier. P: Screen Gems. D: Madonna, Adriano Giannini, Bruce Greenwood, Elizabeth Banks, Jeanne Tripplehorn, Yorgo Voyagis u.a.
90 Min. Columbia ab 19.6.03

Madonna – verzweifelt versucht

Von Frank Brenner Madonnas Image als Sängerin scheint immer irgendwie einherzugehen mit dem Image, das sie in ihren Filmen verkörpert. Genauso oft, wie diese Frau ihre Gesinnung ändert, genauso radikal wendet sie dies auf ihre gesamte öffentliche Person an – ein inszeniertes Gesamtkunstwerk. Zu Beginn war sie wie im Film Susan – Verzweifelt gesucht der rebellische Girlietyp, in der Zeit von Body of Evidence hatte sie sich zum allgegenwärtigen Sexobjekt entwickelt, während Evita hatte sie so etwas wie den Status einer Semi-Heiligen inne.

In Swept Away, ihrem ersten Film unter der Regie ihres Ehemannes Guy Ritchie, stellt sie nun eine eitle, selbstgefällige und ihre Umwelt gnadenlos ausnutzende Diva dar, die aber trotz des Reichtums, der sie umgibt, schwer unglücklich ist. Zufall oder erneut Absicht? Wer weiß. Jedenfalls hat die Popgöttin mit ihrem neuesten Film mal wieder im wahrsten Sinne des Wortes Schiffbruch erlitten und zurecht die mittlerweile siebte und achte Goldene Himbeere zugedacht bekommen (als schlechteste Schauspielerin und Teil des schlechtesten Leinwandpaares).

Nachdem sie auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer vor allem ein Besatzungsmitglied bis aufs Blut tyrannisiert hat, strandet Madonna just mit diesem Gepeinigten auf einer menschenleeren Insel. Da der Naturbursche mit den widrigen Umständen natürlich besser zurechtkommt als die verwöhnte Millionärsgattin, kehren sich bald die Verhältnisse um, und der Verhöhnte wird zum Gebieter über das Leben und den Tod. Ein Plot, der wohl so alt wie das Kino selbst ist und dem Guy Ritchie nicht die kleinste neue Idee hinzugefügt hat.

Immerhin hatten die Besetzungsagenten soviel Humor, für den Naturburschen Adriano Giannini zu casten, den Sohn des Schauspielers Giancarlo Giannini, der genau die gleiche Rolle bereits 1974 in Lina Wertmüllers Version des Stoffes gespielt hatte. Ansonsten ist in Swept Away so ziemlich alles versammelt, was man aus der Blauen Lagune (ohne die nackten Brüste) und unzähligen billigen Urlaubsfilmchen aus den 70er Jahren bereits zur Genüge kennt. Vielleicht hatten ja wenigstens die Darsteller beim Locationdreh auf Malta und Sardinien ein paar schöne Tage.

Guy Ritchie, den man für seine bisherigen Filme Bube Dame König grAs und Snatch als den neuen Meister des skurrilen britischen Humors uneingeschränkt bewundern muß, beweist hier nicht das geringste Gespür für Gags, Situationskomik oder Darstellerführung – obwohl auch dieser Film zumindest stellenweise wohl absichtlich komisch wirken soll. So z.B. in der Szene, in welcher der zum Gebieter aufgestiegene Fischer Madonna zwingt, für ihn zu tanzen und singen und lediglich ein paar schiefe Quietscher herauskommen. Der Schuß geht aber auch in diesem Fall nach hinten los, wenn sich Giannini dann in eine perfekt ausgestattete Shownummer träumt, in der Madonna auf einmal makellos singen kann – allerdings mit der Stimme von Della Reese!

Warum Swept Away, der bislang auf der ganzen Welt erwartungsgemäß floppte, nun doch auch bei uns auf die Leinwand darf? Wer weiß. 1970-01-01 01:00
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