— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Der Strand von Trouville

D 1998. R,B: Michael Hofmann. K: Hans Fromm. S: Patricia Rommel. M: Frank Will, Julius Block. D: Boris Aljinovic, Antje Westermann, Katja Zinsmeister, Lars Rudolph u.a.
84 Min. TiMe ab 7.5.98
Von Oliver Baumgarten Eine Generation puzzelt sich ihr Leben zusammen. Alle Teile sind vorhanden und der kontrastreiche Vordergrund aus materialistischen und berufsbezogenen Elementen bereits zu einem klaren Bild zusammengesetzt. Doch wie inaller Welt passen die übrigen Puzzleteile zueinander, die zwar einen grenzenlos blauen Himmel ergeben, sich aber so trügerisch ähneln?

Einer dieser Lebenspuzzler ist Lukas, der für einen kurzen Moment glaubt, mit Nathalie, in die er sich auf das erste gemeinsame Lächeln hin unsterblich verliebt, das entscheidende Teil gefunden zu haben. Als sie sich allerdings plötzlich aus den Augen verlieren, macht sich Lukas nach ihr auf die Suche, während der er schließlich in einem großen Einkaufszentrum landet. Er findet Unterschlupf bei Elenor und Bill. Beide kennen Nathalie, und Lukas beschließt, dort auf sie zu warten. Als ihm allerdings die eigenwillige Alice im Einkaufsland über den Weg läuft und sie eine Nacht zusammen verbringen, sitzt auch Lukas erneut ratlos vor seinem himmellosen »Strand von Trouville«, seinem Puzzle, dessen übriggebliebenen Teile wieder zerstreut vor ihm zu liegen scheinen.

Michael Hofmann erzählt seinen Film über die eine große Liebe, die es nicht nur zu erkennen, sondern auch festzuhalten gilt, auf erfreulich nüchterne Art mit entschiedenem Verzicht auf verklärend schmonzige Momente. Das ehrt ihn besonders deshalb, weil ihm trotzdem ein schwer romantischer Liebesfilm gelang. Die parabelhafte Erzählebene tragen die zumeist herrlichen Darsteller, die gänzlich unprätentiös durch die ideenreiche und witzige Szenerie finden. Resignierte, aber hochamüsante Nebenfiguren wie der lustige T-Shirts tragende Schlachter oder der Crêpes-Koch mit Maffay-Tick markieren zudem als Vertreter der älteren Generation klare Gegenpositionen. Letzterer übrigens versorgt die sehnsüchtig nach Himmlischem strebenden End-Twens mit dem irdischen Pendant: Schokoladencrêpes.

So wie der eigenartige Bill im Film am ewig blauen Himmel seines Puzzles Der Strand von Trouville steckenbleibt, ergeht es auch den anderen sympathisch verwirrten Figuren, die ihre amouröse Sinnsuche lediglich dadurch erschweren, sich nicht für ein Schlüssel-Puzzleteil entscheiden zu können. Und so läßt uns denn Michael Hofmanns sympathischer Film unsere Entscheidung offen: weiterpuzzeln oder Schokocrêpes essen? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap