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Stirb Langsam 4.0

Live Free or Die Hard. USA 2007. R: Len Wiseman. B: Mark Bomback. K: Simon Duggan. S: Nicolas De Toth. M: Marco Beltrami. P: Cheyenne Enterprises, Dune Entertainment u.a. D: Bruce Willis, Timothy Olyphant, Justin Long, Maggie Q u.a.
129 Min. Fox ab 27.6.07

Das gute alte Actionkino

Von Sascha Ormanns Als bekannt wurde, daß es eine vierte John McClane-Show geben wird, mischte sich bei mir Angst mit Vorfreude. Angst deshalb, weil Sequels in Hollywood allzu beliebt sind, um leicht das schnelle Geld zu scheffeln – den guten Namen eines bereits erfolgreichen Films erneut zu nutzen und so Vorschußlorbeeren einzuheimsen. Eben dadurch kam aber die Vorfreude zustande: War doch Die Hard ein – durch John McTiernan – perfekt inszenierter Actionfilm, wie ihn die 1980er und frühen 1990er Jahre hervorgebracht haben, beziehungsweise deren Regisseure – sie haben mit ihrer Arbeit das »Action-Kino der alten Schule« perfektioniert. Da liegt bei Stirb Langsam 4.0 die Sorge nahe, daß es eventuell einen Generationskonflikt geben könnte, wenn man noch dazu hört, daß nicht John McTiernan die Regie übernehmen wird – wie schon im zweiten Teil, da war es minder erfolgreich Renny Harlin – sondern der Werbefilmer Len Wiseman, der Filme wie Underworld und dessen Fortsetzung dirigiert hat, dann bangt man um John McClane und den vierten Stirb Langsam-Film. Wie sich jedoch schnell herausstellt: zu unrecht!

Vor beinahe 20 Jahren war es eben jener John McTiernan, der mit John McClane einen Helden auf die Kinoleinwand brachte, den es bis dato noch nicht gab, einen Helden nämlich, der weder perfekt, unverwundbar, noch gerne ein solcher war. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort – und dies ließ Bruce Willis' Alterego die Zuschauer auch wissen: »Wie bin ich bloß in diese Scheiße geraten?«, kann man da genauso hören, wie andere Flüche – eben kein makelloser Held: McClane hat Fehler, gar Ängste – man bedenke beispielsweise die Flugangst aus dem ersten Teil. Und er ist verletzbar: Am Ende eines jeden Stirb Langsam-Films ist John McClane mit Wunden übersäht, seine Klamotte ist schweißgetränkt, und er ist körperlich am Ende.

Len Wiseman schafft es, mit Stirb Langsam 4.0 einen würdigen Nachfolger zu drehen, er hält sich an die ungeschriebenen Gesetze der alten Schule und feuert ein fulminantes Action-Feuerwerk (diese Phrase sei mir hier bitte verziehen) auf die Leinwand. Auch diesmal sind es – in guter alter Stirb Langsam-Tradition – wieder Gangster unter dem Deckmantel des Terrorismus, mit denen es John McClane aufnehmen muß. In ihren Mitteln ein wenig der heutigen Zeit angepaßt, versuchen die Bösewichte um Bandenchef Thomas Gabriel, die verwundbare Infrastruktur der USA lahmzulegen – indem sie sämtliche computergesteuerte Technologie (somit fast alles) abschalten: sozusagen wildgewordene Computerfreaks gegen altmodischen Cop. Unfreiwilliger und unwissender Mittäter ist der Hacker Matt Farrell, den John McClane zu einer Befragung nach Washington eskortieren soll – ein Standardauftrag, der aber bald ins Außergewöhnliche abdriftet. Matt Farrell übernimmt quasi den Part des Zeus aus Die Hard: With a Vengeance, Justin Long ersetzt Samuel L. Jackson und steht ihm eigentlich in nichts nach – er trägt ebenso zum Amüsement des vierten Teils bei, wie einst Jackson zum dritten.

In Stirb Langsam 4.0 verzichtet der Regisseur auf überbordende CGI-Effekte, greift lieber in die gute alte Action-Kiste und zaubert mit richtigen Stuntmen und »echten« Explosionen. Selbst eine der spektakulärsten Sequenzen kam ohne Computertricks aus: John McClane benutzt ein Polizeiauto als Geschoß und knipst damit einen Helikopter vom Himmel (McClane: »I was out of Bullets!«). Effektkoordinator Mike Meinardus plante diese Szene mit höchster Akribie, der Hubschrauber hing dabei an Kabeln, die kurz vor dem Zusammenstoß gekappt wurden, so entstand ein realistischer Eindruck.

Beruhigend also, daß das größte Qualitätsmerkmal des Films eben nicht die CGI-Effekte sind, sondern die alte Kunst, gutes Action-Kino zu produzieren. Obwohl sich Wiseman bei einer Szene wohl nicht zurückhalten konnte – da duelliert sich McClane, am Steuer eines riesigen Trucks, mit einem Kampfjet: Sofort denkt man an True Lies mit Arnold Schwarzenegger und ein Schmunzeln bleibt nicht aus. Stirb Langsam 4.0 ist wirklich gut in Szene gesetzt, Wiseman schafft es, eine gute Mischung aus Dialog- und Actionszenen zu kreieren und läßt Bruce Willis als Cop mit altmodischen Methoden wieder einmal die USA retten: natürlich spektakulär und actionreich, aber eben in Manier der 1980er und frühen 1990er Jahre. 1970-01-01 01:00
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