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Stirb an einem anderen Tag

Die Another Day. USA 2002. R: Lee Tamahori. B: Neal Purvis, Robert Wade. K: David Tattersall. S: Christian A. Wagner, Andrew MacRitchie. M: David Arnold. P: Eon Prods. D: Pierce Brosnan, Halle Berry, Toby Stephens, John Cleese u.a.
134 Min. Fox ab 28.11.02

Zitat-Hagel

Von Carsten Tritt Surfen vor Nordkorea, Fechten in London und zwischendurch kurz nach Kuba, um eine Zigarre zu rauchen und Halle Berry zu poppen. Pierce Brosnan gibt mal wieder den stilsicheren Geheimagent, der Lappalien wie eine 14monatige Folterhaft in Feindeshand en passant während des Vorspanns erledigt und es warscheinlich gar nicht richtig mitgekriegt hat, daß M ihm anschließend mal wieder die Lizenz zum Töten weggenommen hat. Stirb an einem anderen Tag beginnt mit dem hohen Unterhaltungswert, den man von den besten Filmen der Serie erwartet. Die Bilder sind hübsch, die Ausstattung ist teuer, und das Drehbuch ist geradlinig – eben genauso smooth wie James Bond – und führt unseren Helden ohne Umschweife von einem Fun-Sport-Ereignis zum nächsten.

Dummerweise kommt der Film nach dem Fechtkampf etwas ins Stolpern. Von nun an beginnt nämlich eine dumme Idee Überhand zu nehmen. Zur Celebration von 40 Jahren 007 haben die Produzenten beschlossen, zahlreiche Hommagen an sämtliche Aspekte der Historie zu machen. Das geschieht auch in der Regel recht zurückhaltend, indem Bond sich als Ornithologe tarnt, in Qs Rumpelkammer Lotte Lenyas alten Schuh findet oder der Bad Guy in seinem Flugzeug ein gebrauchtes Bond-Auto transportiert.

Leider ist Stirb an einem anderen Tag in Sachen Selbstreflexion insgesamt nur zweiter Sieger – bei Austin Powers in Goldständer hat das besser funktioniert. Denn zum Teil sind sich an den Vorgängerfilmen orientierende Einstellungen auch in die Actionsequenzen des neuen Bond eingearbeitet, und gerade hier beginnt es bei 007 zu haken. Weil sich die Filmemacher nicht von einigen – für Freunde der Serie sicherlich charmanten – Zitaten trennen wollten, wirkt die Action des öfteren wie um diese Momente herumgebastelt, die bei normalem Verlauf der Dinge auf der DVD unter »Deleted Scenes« abrufbar gewesen wären, bzw. die man wohl schon während der Vorproduktion gestrichen hätte. So verliert das Drehbuch seine Smoothness, und der Film seine routinierte Arroganz, die die Bond-Filme sonst gerne über alle anderen Werke des Genres erhoben hat.

Auch ansonsten kannten die Autoren nicht immer ihre Grenzen. Gegenüber ihrer Idee eines unsichtbaren Bondmobils z.B. wirkt Austin Powers' Pimp-Mobil mit eingebauter Zeitmaschine geradezu dezent, und wenn wie von Geisterhand die Reifenspuren auf isländischem Schnee erzeugt werden, fühlte sich der Rezensent eher an B-Filme der 50er Jahre erinnert – sicherlich auch schön, aber sicherlich nicht die von den Produzenten angedachte Richtung. Insgesamt reicht das alles sicherlich noch, den Klassiker als das Highlight unter den aktuell auch mit Harry Potter, Herr der Ringe, Star Wars und Star Trek wieder beliebten Filmreihen zu bezeichnen; und dennoch verdirbt der fade Beigeschmack der Mittelmäßigkeit hier den ungestörten Wodka-Martini-Genuß. 1970-01-01 01:00
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