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Der stille Amerikaner

The Quiet American. USA 2002. R: Phillip Noyce. B: Christopher Hampton, Robert Schenkann. K: Christopher Doyle. S: John Scott. M: Craig Armstrong. P: Mirage, Saga, IMF. D: Michael Caine, Brendan Fraser, Do Thi Hai Yen, Rade Serbedzija, Tzi Ma, Robert Stanton, Quang Hai u.a.
100 Min. Universum ab 22.5.03.

History Repeating

Von Frank Brenner Graham Greene lieferte die Romanvorlage für Phillip Noyces Hollywoodproduktion, und obwohl die Handlung vor fünfzig Jahren angesiedelt ist, bleibt der Bezug zu aktuellen politischen Ereignissen unverkennbar. History keeps repeating itself. In Saigon, damals Hauptstadt Südvietnams in Indo-China, rücken die Auseinandersetzungen der französischen Kolonialmacht und den kommunistischen Rebellen des Nordens immer näher. Und dann schicken sich auch noch die Amerikaner an, dem heute als Vietnam bekannten Land ihren politischen Willen aufzuzwängen.

Der britische Reporter Thomas Fowler kommt als Berichterstatter vor Ort mit einer jungen vietnamesischen Geliebten ganz gut zurecht, bis der stille Amerikaner Alden Pyle in sein Leben tritt und nicht nur die Liebesbeziehung des alten Zynikers aus den Gleisen wirft, sondern diesen auch zwingt, auf politischer Ebene endlich Stellung zu beziehen und den reinen Beobachterposten aufzugeben.

Noyce hat Greenes Roman in elegante Bilder gefaßt – der Erzählfluß ist ruhig und gereicht somit dem Titel zur Ehre. Greene, der sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Charaktere nahm und vor allem die zwischenmenschlichen Konflikte thematisierte, wird vor allem dann Rechnung getragen, wenn Michael Caine als Erzähler den Stream of Consciousness hörbar macht.

Überhaupt ist es Caine mit seinem gewohnt souveränen Spiel, für das er in diesem Jahr eine erneute, seine mittlerweile sechste Oscar-Nominierung erhielt, das den Film sehenswert macht und so manche Länge in der Inszenierung zu überbrücken versteht. Als er seine Geliebte zu verlieren scheint, platzt der ansonsten so zurückhaltende, distinguierte, ja stille Brite in die Firma, in der er seinen Widersacher anzutreffen hofft und macht vor den versammelten Angestellten eine Szene, nur, um sich anschließend in eine Toilettenkabine zu verkriechen und seinem Schmerz freien Lauf zu lassen.

In diesen kurzen Szenen kann Michael Caine seine gesamte Schauspielkunst zum Besten geben und seinem reichhaltigen Œuvre gebrochener Figuren eine weitere hinzufügen. Brendan Fraser, der sein Talent bislang hauptsächlich in albernen Klamotten oder hirnlosen Actionspektakeln vergeudet hat, sollte viel häufiger Rollen wie die des zwielichtigen Alden Pyle oder die des Gärtners in Bill Condons Gods and Monsters übernehmen, da sie ihm in absehbarer Zukunft den Übergang vom jugendlichen Pausenclown zum ernstzunehmenden Charakterdarsteller ermöglichen können. 1970-01-01 01:00

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